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Gesichtspflege für Männer: Was braucht die Haut wirklich?

Kurz gesagt

Für die meisten Männer genügen drei Schritte: abends das Gesicht waschen, danach etwas Wässriges und sehr wenig Öl auftragen und an Tagen mit viel Sonne einen Sonnenschutz. Männerhaut unterscheidet sich im Mittel messbar von Frauenhaut, vor allem durch mehr Talg. Eine eigene Rezeptur „für Männer“ folgt daraus nicht. Was die Pflege wirklich verändert, sind Rasur und Bart.

Was an Männerhaut messbar anders ist

In einer Hamburger Untersuchung mit 300 gesunden Frauen und Männern zwischen 20 und 74 Jahren wurden Wasserverlust, Feuchtigkeit der Hornschicht, Talg und pH-Wert an fünf Stellen gemessen, darunter Stirn und Wange (Luebberding et al. 2013).

  • Talg: Bei Männern war die Talgmenge in allen Altersgruppen höher und blieb mit dem Alter stabil. Bei Frauen nahm sie im Lauf des Lebens ab. An der Wange lagen die Mittelwerte bei rund 84 gegenüber 49 Mikrogramm je Quadratzentimeter, bei großer Streuung (Zahlen nach Rahrovan et al. 2018).
  • pH-Wert: Bei Männern lag er an allen Stellen unter 5, bei Frauen meist darüber.
  • Wasserverlust: Bis etwa 50 Jahre verloren Männer weniger Wasser über die Haut als Frauen gleichen Alters.
  • Feuchtigkeit: Junge Männer hatten eine feuchtere Hornschicht als Frauen. Ab etwa 40 Jahren nahm die Feuchtigkeit bei Männern schrittweise ab.

Zur Dicke: Eine Übersichtsarbeit über 57 Studien kommt zu dem Schluss, dass Talg und Hautdicke bei Männern im Allgemeinen höher sind (Rahrovan et al. 2018). Sie nennt eine Ultraschallstudie mit 88 Personen, in der die Haut der Männer an Stirn, Wange, Kieferpartie, Hals und Bauch insgesamt 10 bis 20 Prozent dicker war. Die oft genannten „20 Prozent“ sind also das obere Ende einer einzelnen Messreihe. Für andere Messgrößen berichtet die Übersicht widersprüchliche Ergebnisse.

Was daraus folgt, ist unsere Einordnung: Im Mittel bringt Männerhaut mehr eigenes Fett mit. Viele Männer brauchen deshalb wenig zusätzliches Fett im Gesicht, manche gar keines. Ob deine Haut glänzt oder spannt, sagt dir kein Mittelwert, sondern der Blick in den Spiegel nach dem Waschen.

Was Rasur und Bart verändern

Der größere Unterschied liegt im Alltag. Nach einer Fachübersicht wird die Pflege von Männerhaut stark davon bestimmt, dass regelmäßig Gesichtshaar entfernt wird; nach der Rasur gehe es darum, der Haut wieder Feuchtigkeit zuzuführen (Draelos 2012). Barthaar ist dicht, dick und steif. Deshalb wird oft mit mehr Druck und in mehreren Zügen rasiert, und beides macht Hautreizungen durch die Rasur wahrscheinlicher. Zu den üblichen Gegenmitteln zählen weniger Druck und eine Pflege vor und nach der Rasur (Maurer et al. 2016).

Für die Routine heißt das: Nach der Rasur spülst du Schaum oder Seife gründlich ab, tupfst die Haut trocken und trägst zuerst etwas Wässriges auf. Öl und alles, was duftet, kommt erst später oder am Abend. Das ist eine Praxisregel, kein Messergebnis. Mit Bart gilt: Pflege muss bis auf die Haut darunter gelangen.

Die Routine in drei Schritten

  1. Waschen: Abends wäschst du das Gesicht mit lauwarmem Wasser und einem Reiniger, den deine Haut gut verträgt. Morgens reicht meist Wasser. Ob Seife dafür passt, steht unter Kann ich feste Seife fürs Gesicht nehmen?
  2. Wässrig, dann sehr wenig Öl: Trag ein wässriges Serum auf die noch leicht feuchte Haut auf. Danach verreibst du ein bis zwei Tropfen Öl zwischen den Handflächen und legst sie auf. Warum diese Reihenfolge funktioniert, erklärt Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.
  3. Sonnenschutz an Tagen draußen: Das Bundesamt für Strahlenschutz rät, ab einem UV-Index von 3 in der Mittagszeit Schatten aufzusuchen, und nennt Kleidung und Kopfbedeckung den besten und einfachsten Schutz. Unbedeckte Haut soll sorgfältig und großzügig eingecremt werden, mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 30 (BfS). Der Sonnenschutz ist die letzte Schicht. Wie viel du brauchst, steht unter Wie viel feste Sonnencreme brauche ich?

Was sich je nach Situation ändert

Die Tabelle fasst Erfahrungswerte zusammen.

Situation Was anders ist Was sich an der Routine ändert
Täglich glatt rasiert die Klinge läuft jeden Tag über die Haut nach der Rasur abspülen, trocken tupfen, Serum; Öl erst abends
Dreitagebart kurze, steife Stoppeln; die Haut darunter ist gut erreichbar Serum und Öl mit den Fingerkuppen bis auf die Haut verteilen
Vollbart die Haut liegt unter dem Haar; das Haar braucht selbst Pflege Öl tropfenweise bis auf die Haut einmassieren, dann die Länge glätten
Rasierter Kopf mehr Haut ohne Haar, die Sonne, Kälte und Reibung durch Mütze oder Helm abbekommt die Routine über die Kopfhaut ziehen; draußen Kopfbedeckung und Sonnenschutz
Viel draußen UV-Strahlung, Wind, Kälte, Schweiß Sonnenschutz großzügig auftragen und mehrmals täglich nachcremen; abends gründlich waschen

Was Öl am Barthaar tut und wie du es aufträgst, steht unter Bartbalsam oder Bartöl: Was ist der Unterschied?

Glanz vermeiden: Die Menge entscheidet

Glanz entsteht, wenn mehr Fett auf der Haut liegt, als die Hornschicht aufnimmt. Bildet die Haut viel Talg, kommt jeder Tropfen Öl dazu. So bleibt das Gesicht unauffällig:

  • Ein bis zwei Tropfen: Das reicht morgens für das ganze Gesicht. Abends dürfen es zwei bis drei sein.
  • In den Händen verteilen: Verreib das Öl zwischen den Handflächen und drück die Hände auf das Gesicht, statt zu reiben.
  • Zonen beachten: Erst Wangen, Kieferpartie und Hals. Stirn und Nase bekommen nur den Rest, der an den Händen bleibt, oder nichts.
  • Prüfen: Glänzt die Haut nach zehn Minuten noch deutlich, nimm beim nächsten Mal weniger oder lass das Öl morgens weg.

Mehr dazu: Gesichtsöl bei fettiger Haut: geht das?

Was du nicht brauchst

  • Ein Etikett „für Männer“: Was ein Produkt ist, zeigt die Inhaltsstoffliste, nicht die Farbe der Verpackung.
  • Viele Schritte: Waschen, Serum, wenig Öl und bei Sonne ein Schutz decken den Alltag ab.
  • Duft: Er ist Geschmackssache und für die Pflege nicht nötig. Wer keinen möchte, nimmt ein pures Öl.
  • Öl an jedem Tag: Spannt die Haut nach dem Serum nicht, kannst du das Öl weglassen.

Wann ärztlichen Rat holen?

Pflege ist für gesunde Haut gedacht. Hol ärztlichen Rat, wenn die Haut im Gesicht über Wochen gerötet ist, stark schuppt, brennt oder nässt, wenn nach der Rasur immer wieder schmerzhafte Pusteln oder eingewachsene Haare auftreten oder wenn sich eine einzelne Stelle verändert, blutet oder nicht verschwindet. Das gilt besonders für Stellen, die viel Sonne abbekommen: Stirn, Nase, Ohren und Kopfhaut. Trag Pflege nicht auf Schnitte oder gereizte Haut auf. Reagiert die Haut auf ein Produkt, beende die Anwendung.

Häufige Fragen

Brauchen Männer eine eigene Gesichtspflege?
Nein. Männerhaut bildet im Mittel mehr Talg, aber daraus folgt keine eigene Rezeptur. Entscheidend sind die Menge an Fett, ob du Duft möchtest und wie du dich rasierst.

Ist Männerhaut wirklich 20 Prozent dicker?
Eine Übersichtsarbeit nennt eine Ultraschallstudie mit 88 Personen, in der die Haut der Männer insgesamt 10 bis 20 Prozent dicker war (Rahrovan et al. 2018). Für die tägliche Pflege folgt daraus wenig.

Reicht es, das Gesicht nur mit Wasser zu waschen?
Morgens meist ja. Abends nimmt Wasser allein Fett und Sonnencreme nur unvollständig mit; dafür braucht es einen Reiniger.

Was trage ich nach der Rasur auf?
Zuerst Wasser: Schaum gründlich abspülen und die Haut trocken tupfen. Danach etwas Wässriges ohne Alkohol. Öl und Duft kommen später. Auf Schnitte gehört keine Pflege.

Wie viele Tropfen Öl brauche ich im Gesicht?
Morgens ein bis zwei, abends zwei bis drei. Glänzt die Haut nach zehn Minuten noch deutlich, war es zu viel.

Kann ich das Gesichtsöl auch für den Bart nehmen?
Ja. Ein Bartöl ist ein Pflanzenöl oder eine Mischung daraus. Arbeite wenige Tropfen bis auf die Haut ein und glätte dann die Länge.

Bei forpeople

Für Schritt zwei und drei gibt es bei uns diese Bausteine.

  • Aloe Vera Serum 99,6%, 250 ml, 24,90 €: laut Inhaltsstoffliste Aloe-Saft, Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat. Es ist wasserhaltig und konserviert; Alkohol und ätherische Öle stehen nicht in der Liste.
  • Jojobaöl – kaltgepresst, 100 ml, 16,90 €: ein einzelnes Öl ohne ätherische Öle.
  • Gesichtspflege-Set für trockene, empfindliche Haut, 44,90 €: Aloe Vera Serum und Faceoil Lavendel zusammen. Das Faceoil enthält ätherisches Lavendelöl und duftet.
  • Feste Sonnencreme LSF50, 40 g, 17,90 €: Lichtschutzfaktor 50 mit den mineralischen Filtern Zinkoxid und Titandioxid, laut Inhaltsstoffliste non-nano, wasserfest getestet, in einer Papierhülse ohne Kunststoffbeschichtung.

Für alle vier gilt laut Produktseite: Kontakt mit den Augen vermeiden und nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung.

Mehr dazu: Nach der Rasur: Was braucht die Gesichtshaut? · Warum kratzt der Bart beim Wachsen, und was macht ihn weicher? · Glatze pflegen: Was braucht rasierte Kopfhaut? · Kann Gesichtsöl die Gesichtscreme ersetzen? · Handcreme für Männer: worauf es wirklich ankommt

Aus dem Blog: Weniger im Bad: eine Pflegeroutine mit drei Produkten

Quellen

  1. Luebberding S, Krueger N, Kerscher M (2013): Skin physiology in men and women: in vivo evaluation of 300 people including TEWL, SC hydration, sebum content and skin surface pH. International Journal of Cosmetic Science 35(5): 477–483. https://doi.org/10.1111/ics.12068
  2. Rahrovan S, Fanian F, Mehryan P, Humbert P, Firooz A (2018): Male versus female skin: What dermatologists and cosmeticians should know. International Journal of Women's Dermatology 4(3): 122–130. https://doi.org/10.1016/j.ijwd.2018.03.002
  3. Draelos ZD (2012): Male skin and ingredients relevant to male skin care. British Journal of Dermatology 166 Suppl 1: 13–16. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.2011.10784.x
  4. Maurer M, Rietzler M, Burghardt R, Siebenhaar F (2016): The male beard hair and facial skin – challenges for shaving. International Journal of Cosmetic Science 38 Suppl 1: 3–9. https://doi.org/10.1111/ics.12328
  5. Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Tipps zum UV-Schutz (Stand 04.08.2026). https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/schutz/tipps/tipps_node.html