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Bartbalsam oder Bartöl: Was ist der Unterschied?

Kurz gesagt

Bartöl ist ein flüssiges Pflegeöl, Bartbalsam ist dasselbe Öl, das mit Wachs und oft Pflanzenbutter fest gemacht wurde: Öl verteilt sich schnell bis auf die Haut unter dem Bart, Balsam legt mehr Film auf das Haar und gibt etwas Halt. Für einen kurzen Bart und trockene Haut darunter reicht meist Öl. Für einen längeren Bart, der widerspenstig absteht, ist Balsam praktischer. Viele nutzen beides: Öl für die Haut, Balsam für die Form. Einen Wirkstoff, der das Bartwachstum ändert, hat keines von beiden.

Der Unterschied liegt in der Rezeptur

Bartpflege folgt denselben Regeln wie jede wasserfreie Pflege. Ein Bartöl besteht aus einem oder mehreren Pflanzenölen, manchmal mit ätherischen Ölen für den Duft. Ein Bartbalsam enthält dieselben Öle, dazu ein Wachs, meist Bienenwachs oder Candelillawachs, und häufig eine Pflanzenbutter wie Shea- oder Kakaobutter. Das Wachs macht die Mischung bei Raumtemperatur fest; durch die Wärme der Hände wird sie streichfähig. Eine Bartpomade enthält noch mehr Wachs und dient vor allem zum Formen.

Bartöl Bartbalsam Bartpomade/Bartwachs
Aufbau Pflanzenöle Öle + Wachs + oft Butter viel Wachs, wenig Öl
Konsistenz flüssig fest bis cremig, schmilzt in der Hand fest, klebrig
Erreicht die Haut gut, besonders bei kurzem Bart teilweise kaum, bleibt am Haar
Halt und Form keiner leicht deutlich
Gefühl leicht, zieht ein spürbarer Film steif
Passt zu Dreitagebart bis mittellang, trockene Haut darunter mittellang bis lang, abstehende Haare Schnurrbart, gezwirbelte Spitzen

Die Begriffe sind nicht gesetzlich festgelegt. Was ein Produkt wirklich ist, zeigt die Inhaltsstoffliste. Wie die Begriffe Salbe, Balsam und Butter allgemein verwendet werden, steht unter Salbe, Balsam, Butter, feste Creme.

Was Öl mit Barthaar und Haut macht

Barthaar ist oft dicker und krauser als Kopfhaar. Die Haut darunter wird beim Rasieren, Trimmen und Waschen beansprucht und ist unter den Haaren schwer zu erreichen. Viele beschreiben das Gefühl als trockene, spannende Haut unter dem Bart, gerade in den ersten Wochen oder im Winter.

Öl tut zwei Dinge. Auf der Haut legt es einen dünnen Film auf, der die Verdunstung verringert; wie das funktioniert, erklärt Okklusion und TEWL. Am Haar legt es sich um die Oberfläche und macht es geschmeidiger. Wie tief ein Öl in das Haar eindringt, hängt von seiner Zusammensetzung ab. In Laborversuchen drang Kokosöl in den Haarschaft ein, Mineralöl dagegen nicht; Sonnenblumenöl drang wegen seiner sperrigeren Molekülstruktur nicht ein (Rele & Mohile 2003). Eine Folgeuntersuchung fand Hinweise, dass der Ölfilm auf Haaren mit Kokos-, Oliven- und Sonnenblumenöl mit der Zeit dünner wird, weil ein Teil des Öls vom Haar aufgenommen wird; mit Mineralöl zeigte sich das nicht (Keis et al. 2005). Für den Alltag heißt das: Ein paar Minuten nach dem Auftragen fühlt sich der Bart weniger ölig an als direkt danach.

Welches Öl für den Bart?

Öl Was es ausmacht Gefühl
Jojobaöl chemisch ein flüssiges Wachs: rund 98 % Wachsester, nur wenige Triglyceride (Gad et al. 2021) leicht, wenig fettig, gut als Basis
Arganöl Pflanzenöl, das bei Wärme deutlich schneller an Qualität verliert (Gharby et al. 2014) mittel, pflegend
Mandelöl mildes, vielseitiges Pflanzenöl etwas reichhaltiger
Wildrosenkernöl viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, deshalb besonders kühl und dunkel lagern leicht

Warum Jojoba als flüssiges Wachs gilt und sich deshalb anders anfühlt als ein Speiseöl, erklärt Jojobaöl: warum es ein flüssiges Wachs ist. Öle mit vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren altern schneller. Bei Arganöl war die Qualität nach zwölf Monaten bei 25 °C im Dunkeln nach marokkanischer Norm noch zufriedenstellend, bei 40 °C nahm sie schnell ab (Gharby et al. 2014). Bewahre Bartöl deshalb nicht auf der warmen Fensterbank im Bad auf. Woran du ein verdorbenes Öl erkennst, steht unter Öl ranzig erkennen.

Richtig auftragen

  1. Nach dem Duschen: Bart handtuchtrocken tupfen. Leicht feuchtes Haar verteilt Öl gleichmäßiger.
  2. Öl: Bei kurzem Bart zwei bis drei Tropfen, bei längerem mehr. In den Handflächen verreiben und gegen die Wuchsrichtung bis auf die Haut einmassieren, dann mit der Wuchsrichtung glätten.
  3. Balsam: Eine kleine Menge mit dem Fingernagel oder Daumen abnehmen, in den Händen schmelzen lassen, in die Länge einarbeiten und mit Kamm oder Bürste in Form bringen.
  4. Weniger ist mehr: Zu viel Öl oder Balsam macht den Bart strähnig und kann auf Kragen und Kopfkissen Flecken hinterlassen. Wie du solche Fettflecken aus Textilien bekommst, steht unter Fettflecken durch Deocreme; das Prinzip ist dasselbe.

Ätherische Öle machen ein Bartöl duftend, sind aber nicht nötig. Sie sitzen direkt unter der Nase und können empfindliche Haut reizen. Wer dazu neigt, nimmt ein reines Öl ohne Duft; Hintergründe unter Ohne Duft und ätherische Öle. Wenn die Haut unter dem Bart trotz Pflege über längere Zeit gerötet, schuppig oder schmerzhaft ist, lass das ärztlich abklären.

Bartbalsam selbst mischen

Ein Balsam ist eine der einfachsten Rezepturen für den Eigengebrauch, weil er ohne Wasser auskommt und deshalb keinen Emulgator und keine Konservierung braucht. Viele Rezepte arbeiten mit etwa einem Teil Wachs auf drei bis vier Teile Öl und Butter, gewogen, nicht nach Volumen. Mehr Wachs macht den Balsam fester und gibt mehr Halt, mehr Öl macht ihn weicher. So gehst du vor:

  • Wachs und Butter im Wasserbad langsam schmelzen, vom Herd nehmen, dann die Öle einrühren.
  • In eine saubere, trockene Dose füllen und ohne Deckel abkühlen lassen, damit sich kein Kondenswasser bildet.
  • Nach dem Erkalten eine Probe nehmen: zu hart, dann noch einmal schmelzen und Öl zugeben; zu weich, dann etwas Wachs.
  • Sauber arbeiten, kein Wasser in die Dose bringen, das Datum notieren. Die Haltbarkeit hängt vor allem vom frischesten und vom empfindlichsten Öl ab.

Warum Wachs und Öl in diesem Verhältnis funktionieren und wie Candelilla- statt Bienenwachs das Ergebnis verändert, steht ausführlich unter Feste Creme selber machen: Wachs und Öl und Candelillawachs oder Bienenwachs. Wichtig: Selbstgemachtes ist für den Eigengebrauch gedacht. Wer kosmetische Mittel im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit abgibt, egal ob verkauft oder verschenkt, braucht unter anderem eine verantwortliche Person und eine Sicherheitsbewertung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 2, 4 und 10).

Häufige Fragen

Brauche ich Bartöl und Bartbalsam?
Nicht zwingend. Bei kurzem Bart reicht meist Öl. Bei langem Bart hilft Balsam beim Formen. Wer beides nutzt, nimmt zuerst Öl für die Haut, dann wenig Balsam für die Länge.

Lässt Bartöl den Bart schneller wachsen?
Nein. Öl pflegt Haar und Haut, auf das Wachstum hat es keinen belegten Einfluss.

Kann ich reines Jojobaöl als Bartöl verwenden?
Ja. Jojobaöl ist ein häufiger Grundstoff für Bartöle, weil es leicht ist und sich wenig fettig anfühlt. Du kannst es pur verwenden oder mit Argan- oder Mandelöl mischen.

Wie oft sollte ich Bartöl benutzen?
Einmal am Tag, meist nach dem Duschen, reicht für die meisten. Bei trockener Heizungsluft oder im Winter auch zweimal.

Macht Bartbalsam Flecken auf dem Kopfkissen?
Das kann passieren, wenn zu viel Produkt im Bart bleibt. Abends nur wenig verwenden oder den Balsam auf den Morgen legen.

Bei forpeople

Einen fertigen Bartbalsam haben wir nicht im Sortiment. Die Grundstoffe für Bartöl gibt es aber als reine, kaltgepresste Öle ohne Zusätze: Jojobaöl – kaltgepresst (100 ml, 16,90 €), Arganöl – kaltgepresst (50 ml, 19,90 €), Mandelöl – kaltgepresst (100 ml, 14,90 €) und Wildrosenkernöl – kaltgepresst (50 ml, 19,90 €). Alle vier zusammen gibt es im Pflegeöl-Set – 4 Bio-Öle für Gesicht, Körper & Haar (69,90 €). Wer selbst einen Balsam mischt, kann ihn in die Leere Kosmetikdose (3,90 €) füllen. Mehr dazu: Körperöl oder Körperbutter · Wie lange hält selbstgemachte Creme? · Bienenwachs in der Hautpflege · Wasserfreie Kosmetik

Quellen

  1. Rele AS, Mohile RB (2003): Effect of mineral oil, sunflower oil, and coconut oil on prevention of hair damage. J Cosmet Sci 54(2): 175–192. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12715094/
  2. Keis K, Persaud D, Kamath YK, Rele AS (2005): Investigation of penetration abilities of various oils into human hair fibers. J Cosmet Sci 56(5): 283–295. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16258695/
  3. Gad HA, Roberts A, Hamzi SH, Gad HA, Touiss I, Altyar AE et al. (2021): Jojoba Oil: An Updated Comprehensive Review on Chemistry, Pharmaceutical Uses, and Toxicity. Polymers (Basel) 13(11): 1711. https://doi.org/10.3390/polym13111711
  4. Gharby S, Harhar H, Kartah B, Guillaume D, Chafchaouni-Moussaoui I, Bouzoubaa Z et al. (2014): Oxidative stability of cosmetic argan oil: a one-year study. J Cosmet Sci 65(2): 81–87. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24797024/
  5. Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 2, 4 und 10. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj