Warum kurze Barthaare kratzen
Barthaar ist anders gebaut als Kopfhaar. In einer vergleichenden Untersuchung waren Kopfhaare im Querschnitt kleiner und runder. Barthaare zeigten unregelmäßige, längliche und dreilappige Formen und hatten mehr Lagen der äußeren Schuppenschicht (Tolgyesi et al. 1983). Eine Übersichtsarbeit zur Rasur gibt den Durchmesser von Barthaar mit etwa dem Doppelten von Kopfhaar an. Trockenes Barthaar ist demnach sehr steif: Die Kraft, die zum Durchtrennen nötig ist, wird dort mit der für einen gleich dicken Kupferdraht verglichen (Maurer et al. 2016).
In den ersten Wochen kommen drei Dinge zusammen:
- Die Schnittkante. Klinge und Trimmer trennen das Haar quer oder schräg durch. Zurück bleibt eine Kante statt der feinen Spitze, die ein nie geschnittenes Haar hat.
- Die Länge. Ein steifes Haar von wenigen Millimetern biegt sich kaum. Es steht ab und drückt mit dem Ende gegen Haut, Kragen, Schal und Kopfkissen. Am Hals treten Barthaare besonders flach aus der Haut (Maurer et al. 2016), und dort liegt auch der Kragen an.
- Die Haarwurzel. Der Haarfollikel ist von Nerven umgeben und nimmt mechanische Reize wahr (Maurer et al. 2016). Bewegt sich das kurze Haar, spürst du das an der Wurzel: als Kribbeln oder Kratzen.
Viele beschreiben in dieser Zeit auch trockene, spannende Haut unter dem Bart. Naheliegend ist, dass Pflege jetzt in den Stoppeln hängen bleibt, statt die Haut zu erreichen. Das ist Erfahrung, kein Messergebnis.
Die ersten Wochen im Überblick
Barthaar wächst im Mittel etwa 0,3 bis 0,5 Millimeter am Tag (Maurer et al. 2016). Die Längen in der Tabelle sind daraus umgerechnet; dein Bart kann schneller oder langsamer wachsen. Die beiden rechten Spalten beruhen auf Erfahrung, nicht auf Messungen.
| Zeitraum | Länge, rechnerisch | Was passiert | Was hilft |
|---|---|---|---|
| Erste zwei Wochen | bis etwa 4 bis 7 mm | Die Stoppeln sind kurz und steif. Es kratzt und kribbelt am stärksten, vor allem am Hals. | Nicht kratzen. Lauwarm waschen, trocken tupfen, zwei bis drei Tropfen Öl bis auf die Haut einmassieren. Lockere Kragen tragen. |
| Dritte bis sechste Woche | bis etwa 1 bis 2 cm | Die Haare werden lang genug, um sich zu biegen und anzulegen. Die Haut darunter ist schwerer zu erreichen. | Öl gegen die Wuchsrichtung einmassieren, danach kämmen oder bürsten. Nur die Konturen stutzen. |
| Ab etwa zwei Monaten | ab etwa 2 bis 3 cm | Die Haare liegen. Das Kratzen lässt meist nach; wichtiger werden Form und trockene Spitzen. | Täglich kämmen oder bürsten, Öl auch in die Längen geben. Für mehr Halt eignet sich ein Balsam. |
Was den Bart weicher macht
Wasser. Barthaar nimmt Wasser auf und wird dabei biegsamer: Durchfeuchtet verliert es laut der Übersichtsarbeit 30 bis 65 Prozent seiner Steifigkeit (Maurer et al. 2016). Deshalb fühlt sich der Bart nach dem Duschen weicher an als am Abend. Trocknet das Haar, geht der Effekt zurück.
Öl. Öl macht das Haar nicht dünner, es legt einen Gleitfilm auf die Oberfläche. Eine Übersicht zu Haarkosmetik beschreibt, dass Öle sich an die Schuppenschicht anlagern, die Reibung mindern und den Haarschaft gleitfähiger machen. In einer dort genannten Untersuchung ließ sich nasses, mit Öl behandeltes Haar mit weniger Kraft kämmen (Gavazzoni Dias 2015). Untersucht wurde Kopfhaar; für den Bart liegt nahe, dass Kanten dann eher gleiten, statt zu haken. Auf der Haut bremst derselbe Film die Verdunstung, siehe Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt.
Kamm oder Bürste. Beides verteilt das Öl bis in die Spitzen und legt die Haare in eine Richtung. Haare, die liegen, drücken weniger mit dem Ende gegen die Haut.
Zeit. Jedes Nachschneiden erzeugt frische Kanten. Lass die Fläche in den ersten Wochen wachsen und stutze nur die Linien an Hals und Wangen. Zum Rasieren der Konturen siehe Mit Öl rasieren statt mit Schaum: Geht das?
Waschen und ölen: der Ablauf
Zu gründliches Waschen macht Haar rau. Haar, dem der Talg ganz fehlt, beschreibt eine Übersichtsarbeit zur Haarreinigung als hart, rau, stumpf und elektrostatisch aufgeladen (Draelos 2010). Für den Bart heißt das: mild waschen und nicht öfter als nötig. Mehr dazu unter Bart waschen: Wie oft, und geht das mit Seife?
- Wasch den Bart mit lauwarmem Wasser und spül ihn gründlich aus.
- Tupf ihn mit dem Handtuch trocken, ohne zu rubbeln. Er darf noch leicht feucht sein.
- Verreib zwei bis drei Tropfen Öl zwischen den Handflächen. Bei längerem Bart nimmst du etwas mehr.
- Massier das Öl mit den Fingerspitzen gegen die Wuchsrichtung bis auf die Haut ein und streich den Bart dann in Wuchsrichtung glatt.
- Kämm oder bürste ihn durch.
Glänzt der Bart nach einigen Minuten noch deutlich, war es zu viel Öl; es macht ihn strähnig und kann am Kragen Flecken hinterlassen. Welche Öle sich eignen, wie tief sie ins Haar eindringen und wann ein Balsam praktischer ist, steht unter Bartbalsam oder Bartöl: Was ist der Unterschied?
Wann ärztlichen Rat holen?
Kratzen, Kribbeln und Spannen in den ersten Wochen sind lästig, gehen aber in der Regel mit der Länge zurück. Hol ärztlichen Rat, wenn die Haut unter dem Bart über längere Zeit gerötet ist oder schuppt, wenn Pusteln, schmerzhafte Knötchen oder nässende Stellen auftreten, wenn Haare einwachsen oder wenn sich kahle Stellen im Bart bilden. Ein Öl ist dafür keine Behandlung. Trag Pflege nicht auf verletzte oder gereizte Haut auf. Reagiert die Haut auf ein Produkt, beende die Anwendung.
Häufige Fragen
Wie lange juckt und kratzt ein neuer Bart?
Aus Erfahrung ist es in den ersten zwei Wochen am stärksten. Sobald die Haare lang genug sind, um sich anzulegen, lässt es in der Regel nach. Eine feste Frist gibt es nicht, weil Haardicke, Wuchsrichtung und Haut bei jedem anders sind. Bleibt es über Wochen unverändert, lass die Haut ärztlich ansehen.
Wächst der Bart mit Öl schneller oder dichter?
Nein. Öl pflegt Haar und Haut. Einen belegten Einfluss auf das Wachstum hat es nicht.
Werden Barthaare durch häufiges Rasieren dicker?
Nein. In einem Versuch rasierten fünf Männer mehrere Monate lang jede Woche ein Bein. Breite und Wachstumstempo der einzelnen Haare unterschieden sich danach nicht vom unrasierten Bein (Lynfield & Macwilliams 1970). Stoppeln fühlen sich härter an, weil sie kurz sind und eine Schnittkante haben.
Kann ich pures Jojobaöl als Bartöl verwenden?
Ja. Jojobaöl ist ein üblicher Grundstoff für Bartöle. Es ist dünnflüssig und fühlt sich wenig fettig an. Als Bartöl ausgelobt ist es bei uns nicht; es ist ein pures Pflegeöl für Haut und Haar.
Ich möchte Duft im Bart. Worauf achte ich?
Der Bart sitzt direkt unter der Nase, ein Duft ist dort ständig da. Ätherische Öle können außerdem Hautreaktionen auslösen. Das Faceoil - Lavendel enthält ätherisches Lavendelöl; die Inhaltsstoffliste nennt dazu Linalool und Limonene. Wer das meiden will, nimmt ein pures Öl. Mehr dazu: Ohne Duft und ätherische Öle: Inhaltsstoffe im Überblick.
Bei forpeople
Ein eigenes Bartöl führen wir nicht. Pflanzenöle, wie sie als Grundstoff für Bartöle üblich sind, gibt es bei uns pur und als fertige Mischung fürs Gesicht:
- Jojobaöl – kaltgepresst, 100 ml, 16,90 €: laut Inhaltsstoffliste nur Jojobaöl, ohne ätherische Öle. Dünnflüssig, für kurze Bärte und die Haut darunter.
- Arganöl – kaltgepresst, 50 ml, 19,90 €: ebenfalls ein einzelnes Öl ohne Duftzusatz, im Gefühl etwas reichhaltiger als Jojobaöl.
- Faceoil - Lavendel, 50 ml, 21,90 €: Mischung aus Argan-, Wildrosen-, Jojoba-, Borretsch- und Hanföl mit ätherischem Lavendelöl. Ein Gesichtsöl für alle, die Duft möchten.
- Pflegeöl-Set – 4 Bio-Öle für Gesicht, Körper & Haar, 69,90 €: Argan-, Jojoba-, Mandel- und Wildrosenkernöl in je einer Flasche, zum Ausprobieren.
Für alle vier gilt laut Produktseite: Kontakt mit den Augen vermeiden und nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung.
Mehr dazu: Bartbalsam oder Bartöl: Was ist der Unterschied? · Gesichtspflege für Männer: Was braucht die Haut wirklich? · Nach der Rasur: Was braucht die Gesichtshaut? · Glatze pflegen: Was braucht rasierte Kopfhaut?
Aus dem Blog: Pflegeöle für Gesicht & Körper: Welches Öl passt zu welchem Hauttyp?
Quellen
- Tolgyesi E, Coble DW, Fang FS, Kairinen EO (1983): A comparative study of beard and scalp hair. Journal of the Society of Cosmetic Chemists 34(7): 361–382. https://library.scconline.org/v034n07/25
- Maurer M, Rietzler M, Burghardt R, Siebenhaar F (2016): The male beard hair and facial skin – challenges for shaving. International Journal of Cosmetic Science 38 Suppl 1: 3–9. https://doi.org/10.1111/ics.12328
- Lynfield YL, Macwilliams P (1970): Shaving and hair growth. Journal of Investigative Dermatology 55(3): 170–172. https://doi.org/10.1111/1523-1747.ep12280667
- Gavazzoni Dias MF (2015): Hair cosmetics: an overview. International Journal of Trichology 7(1): 2–15. https://doi.org/10.4103/0974-7753.153450
- Draelos ZD (2010): Essentials of Hair Care often Neglected: Hair Cleansing. International Journal of Trichology 2(1): 24–29. https://doi.org/10.4103/0974-7753.66909



















