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Mit Öl rasieren statt mit Schaum: Geht das?

Kurz gesagt

Ja, mit Öl lässt sich rasieren, an den Beinen wie im Gesicht, wenn Haut und Haar vorher nass sind. Ein Rasiermittel hat zwei Aufgaben: Es hält Wasser am Haar, damit es weich wird, und es lässt die Klinge gleiten. Öl übernimmt nur die zweite. Deshalb kommen zuerst ein paar Minuten warmes Wasser und dann wenige Tropfen Öl auf die nasse Haut. Die Nachteile: Die Klinge setzt sich schneller zu, und der Boden der Dusche wird rutschig.

Was ein Rasiermittel leisten muss

Das Haar weich machen. Haar nimmt Wasser auf und wird dabei weicher. Für Barthaar ist das gemessen: Vollständig durchfeuchtet braucht es etwa 40 Prozent weniger Kraft zum Durchtrennen (Cowley & Vanoosthuyze 2016). Nach einer Übersichtsarbeit sinkt die Schnittkraft schon in der ersten Minute im Wasser um etwa 20 Prozent und nach vier Minuten um 40 Prozent; längeres Einweichen bringt kaum mehr (Maurer et al. 2016). Schaum, Gel und Seifenschaum enthalten Wasser und halten es während der Rasur am Haar. Öl enthält kein Wasser.

Die Klinge gleiten lassen. Ein Gleitfilm senkt die Reibung zwischen Rasierer und Haut. Die Haut wird weniger mitgezogen, und der Film polstert die Klinge ab (Cowley & Vanoosthuyze 2016). Das kann Öl.

Was ohne Gleitmittel passiert, zeigt ein Laborversuch an nachgebildeter Haut. Nach einem einzigen trockenen Zug mit einem Einwegrasierer gab das Hautmodell sofort messbar mehr Wasser ab; mit Rasierschaum lag der Wasserverlust auf dem Niveau der unrasierten Vergleichsprobe (Costello et al. 2023). Geprüft wurde Schaum, kein Öl.

Fast alle Messungen stammen vom Barthaar oder aus der Achsel. Dass Wasser und ein Gleitfilm auch am Bein helfen, ist unsere Einordnung.

Schaum, Öl oder beides?

Kriterium Schaum, Gel oder Rasierseife Öl allein Öl unter dem Schaum
Wasser am Haar hält Wasser am Haar bringt kein Wasser mit; vorher einweichen der Schaum hält das Wasser
Gleiten Polster zwischen Klinge und Haut dünner, glatter Film Film und Polster
Sicht du siehst, wo schon rasiert ist durchsichtig: Konturen bleiben sichtbar wie bei Schaum
Klinge lässt sich mit Wasser ausspülen setzt sich schneller zu etwas öfter ausspülen
Dusche Reste laufen mit dem Wasser ab Boden wird rutschig weniger Öl, trotzdem nachwischen
Passt für große Flächen, dichtes Haar Konturen, kurzes Haar, Reise dichtes Barthaar

Die Tabelle fasst Erfahrungswerte zusammen; gemessen sind nur die beiden Grundlagen von oben. Rasierschaum löst beide Aufgaben in einem Schritt. Zur Rasur mit einem Stück Seife: Rasieren mit normaler Seife: Geht das ohne Rasierschaum?

So gehst du vor

  1. Einweichen: Lass zwei bis drei Minuten warmes Wasser über die Stelle laufen.
  2. Nass lassen: Trockne die Haut nicht ab.
  3. Wenig Öl: Verreib einige Tropfen zwischen den Handflächen und streich sie dünn auf die nasse Haut. Stockt die Klinge, feuchte erst an und leg dann nach.
  4. Kurze Züge, wenig Druck: Geh möglichst nur einmal über jede Stelle. Mehr Druck und mehrere Züge erhöhen bei der Bartrasur Wahrscheinlichkeit und Ausmaß von Hautreizungen (Maurer et al. 2016).
  5. Klinge ausspülen: Halt sie nach jedem zweiten oder dritten Zug unter heißes Wasser.
  6. Abspülen und abtupfen: Spül Haare und überschüssiges Öl lauwarm ab und tupf die Haut trocken.
  7. Dusche säubern: Öl macht Wanne und Fliesen glatt. Wisch den Boden gleich mit etwas Spülmittel nach.

Der Gleitstreifen vieler Rasierer enthält wasserlösliche Gleitstoffe, die sich bei der Rasur herauslösen (Cowley & Vanoosthuyze 2016). Auch er braucht also Wasser. Zur Pflege danach: Nach der Beinrasur eincremen: Was und wann? Für die Achseln: Deo nach der Rasur: Warum brennt es, und was hilft?

Welches Öl?

Gleiten kann jedes flüssige Pflanzenöl. Zwei Dinge zählen.

  • Leicht zu verteilen: Ein Öl, das sich dünn ausstreichen lässt, reicht in kleiner Menge. Dickflüssige Öle verkleben die Klinge aus Erfahrung schneller.
  • Ohne ätherische Öle: Die Klinge nimmt nicht nur Haare mit: In einer Untersuchung an der Achsel bestand das Abgetragene im Mittel zu 36,1 Prozent aus Hornschicht (Turner et al. 2007). Auf frisch rasierter Haut kann manches brennen, das sonst nicht auffällt. Ein Öl aus einer einzigen Zutat ist deshalb die schlichtere Wahl: eine Vorsichtsregel, keine Zusage.

Beides trifft auf Mandelöl – kaltgepresst und Jojobaöl – kaltgepresst zu. Als Rasieröl sind beide nicht ausgelobt; wir beschreiben eine mögliche Verwendung. Mandelöl stammt aus Mandeln. Wer darauf allergisch reagiert, nimmt es nicht.

Das Körperöl - Lemongrass gleitet ebenfalls. Es enthält aber ätherisches Lemongrassöl, und seine Inhaltsstoffliste nennt dazu Citral, Geraniol und Citronellol. Für die Rasur raten wir zu den puren Ölen und heben das Körperöl für die Tage danach auf. Mehr dazu: Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene.

Im Gesicht: Bart und Konturen

Barthaar ist dick und steif. Sein Durchmesser ist etwa doppelt so groß wie der von Kopfhaar (Maurer et al. 2016). Das Einweichen ist hier besonders wichtig: zwei bis drei Minuten warmes Wasser, in der Dusche oder mit einem nassen, warmen Waschlappen.

Der Vorteil von Öl im Gesicht ist die Sicht: Du siehst genau, wo die Linie an Wange, Hals und Koteletten verläuft. Öl allein passt deshalb für Konturen, für einen kurzen Bart und für unterwegs. Bei dichtem Bart dauert die Rasur länger, und das Haar trocknet aus Erfahrung dabei wieder ab. Dann passt Schaum besser, allein oder über wenigen Tropfen Öl.

Am Hals treten die Haare flacher aus der Haut, und es kommt dort besonders häufig zu Hautreizungen (Maurer et al. 2016). In einen elektrischen Trockenrasierer gehört kein Pflanzenöl; halte dich an die Anleitung des Geräts.

Zur Pflege danach: Nach der Rasur: Was braucht die Gesichtshaut? Zum Bart: Bartbalsam oder Bartöl: Was ist der Unterschied? und Warum kratzt der Bart beim Wachsen, und was macht ihn weicher? Zum rasierten Kopf: Glatze pflegen: Was braucht rasierte Kopfhaut?

Vor oder nach dem Duschen rasieren?

Am Ende der Dusche oder direkt danach, denn dann hat das Haar genug Wasser aufgenommen. Auf trockener Haut ist der Gleitfilm zwar da, aber das Haar ist hart. Ohne Dusche feuchtest du die Stelle zwei bis drei Minuten mit warmem Wasser an.

Wann ärztlichen Rat holen?

Leichte Rötung, die nach der Rasur rasch nachlässt, ist nicht ungewöhnlich. Hol ärztlichen Rat, wenn Rasurbrand über Tage anhält oder nach jeder Rasur wiederkommt, wenn sich Rasierpickel, Pusteln oder schmerzhafte Knötchen bilden, wenn eingewachsene Haare oder eine Entzündung dazukommen oder wenn ein Schnitt nicht aufhört zu bluten, anschwillt oder eitert. Ein Öl ist dafür keine Behandlung und kein Schutz davor. Rasiere bis dahin nicht über die betroffenen Stellen und trag dort keine Pflege auf.

Häufige Fragen

Kann ich Öl und Rasierschaum zusammen verwenden?
Ja. Gib zuerst wenige Tropfen Öl auf die nasse Haut und den Schaum darüber. Der Schaum hält das Wasser am Haar, das Öl gleitet darunter.

Macht Öl die Klinge stumpf?
Nein, aber Öl und Stoppeln setzen sich zwischen den Klingen fest. Eng stehende Klingen lassen sich grundsätzlich schwerer ausspülen (Cowley & Vanoosthuyze 2016); ein Rasierer mit wenigen Klingen ist bei Öl aus Erfahrung im Vorteil.

Muss ich das Öl nach der Rasur abwaschen?
Spül Haare und überschüssiges Öl lauwarm ab. Ein dünner Film bleibt. An den Beinen darf er bleiben; im Gesicht nimmst du ihn bei Bedarf mit einem feuchten Waschlappen ab.

Kann ich mit Öl auch die Achseln rasieren?
Ja, der Ablauf ist derselbe. Heb den Arm, damit die Haut glatt liegt. Das Deo kommt am besten erst am nächsten Morgen wieder darauf.

Wie bewahre ich das Öl im Bad auf?
Wärme, Licht und Luft lassen Pflanzenöle schneller altern. Schließ die Flasche und stell sie nicht in die Dusche. Mehr dazu unter Ranziges Hautöl erkennen: Geruch, Ursachen, Lagerung.

Bei forpeople

Ein eigenes Rasieröl führen wir nicht. Infrage kommen zwei pure Öle; dazu ein Körperöl mit Duft und ein wässriges Serum für danach.

  • Mandelöl – kaltgepresst, 100 ml, 14,90 €: ein einzelnes Öl ohne ätherische Öle.
  • Jojobaöl – kaltgepresst, 100 ml, 16,90 €: ebenfalls eine einzige Zutat, ohne ätherische Öle.
  • Körperöl - Lemongrass, 100 ml, 16,90 €: Sesam-, Distel-, Sanddornkern- und Sonnenblumenöl mit Kurkuma-Extrakt und ätherischem Lemongrassöl. Eher für die Pflege an den Tagen nach der Rasur.
  • Aloe Vera Serum 99,6%, 250 ml, 24,90 €: wässrig, ohne Fett und ohne Alkohol, mit Zitronensäure leicht sauer eingestellt. Die Produktseite nennt die Anwendung nach der Rasur.

Für alle vier gilt laut Produktseite: Kontakt mit den Augen vermeiden und nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden. Auf einen Schnitt kommt also weder Öl noch Serum. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung.

Mehr dazu: Nach der Beinrasur eincremen: Was und wann? · Nach der Rasur: Was braucht die Gesichtshaut? · Argan-, Jojoba-, Mandel- oder Wildrosenöl: Worin unterscheiden sie sich?

Aus dem Blog: Pflegeöle für Gesicht & Körper: Welches Öl passt zu welchem Hauttyp?

Quellen

  1. Cowley K, Vanoosthuyze K (2016): The biomechanics of blade shaving. International Journal of Cosmetic Science 38 Suppl 1: 17–23. https://doi.org/10.1111/ics.12330
  2. Maurer M, Rietzler M, Burghardt R, Siebenhaar F (2016): The male beard hair and facial skin – challenges for shaving. International Journal of Cosmetic Science 38 Suppl 1: 3–9. https://doi.org/10.1111/ics.12328
  3. Costello L, Goncalves K, Maltman V et al. (2023): Development of a novel in vitro strategy to understand the impact of shaving on skin health: combining tape strip exfoliation and human skin equivalent technology. Frontiers in Medicine 10: 1236790. https://doi.org/10.3389/fmed.2023.1236790
  4. Turner GA, Moore AE, Marti VP, Paterson SE, James AG (2007): Impact of shaving and anti-perspirant use on the axillary vault. International Journal of Cosmetic Science 29(1): 31–38. https://doi.org/10.1111/j.1467-2494.2007.00361.x