Wissen 8 Min. Lesezeit forpeople skincare

Nach der Rasur: Was braucht die Gesichtshaut?

Kurz gesagt

Nach der Rasur braucht die Gesichtshaut wenig: Schaumreste abspülen, Feuchtigkeit und danach etwas Fett. Die Klinge kürzt nicht nur das Haar, sie nimmt auch einen Teil der obersten Hornschicht mit. Die Haut gibt dann vorübergehend mehr Wasser ab und reagiert stärker auf das, was du aufträgst. Deshalb kann Rasierwasser mit Alkohol brennen. Wen das stört, der nimmt etwas Wässriges ohne Alkohol und darüber wenige Tropfen Öl.

Was die Rasur mit der Haut macht

Barthaar ist dick und steif. Nach einer Übersichtsarbeit zur Bartrasur hat es etwa den doppelten Durchmesser von Kopfhaar; entsprechend mehr Kraft braucht die Klinge (Maurer et al. 2016). Wie viel Haut die Klinge mitnimmt, wurde an der Achsel gemessen: Das Abgetragene bestand dort im Mittel zu 36,1 Prozent aus Hornschicht (Turner et al. 2007). Für das Gesicht beschreibt die Übersichtsarbeit, dass die Klinge kleine Erhebungen der Haut rund um die Haaröffnungen mit abschneiden kann.

Danach gibt die Haut mehr Wasser ab. In einer Untersuchung mit zehn Männern stieg der Wasserverlust über die Haut 20 Minuten nach einer elektrischen Rasur an Wange und Hals an, am Hals auf das 2,8-Fache. Nach 24 Stunden lag er wieder nahe am Ausgangswert (Chaturvedi et al. 2024). Rasiert wurde dort bewusst mit hohem Druck.

Rasierte Haut reagiert außerdem stärker. Auf einen standardisierten Reiztest mit Histamin antwortete die rasierte Achsel deutlicher als die unrasierte (Turner et al. 2007). Im Gesicht zeigt sich das bei manchen als Rötung und Brennen kurz nach der Rasur. Mehr Druck und mehrere Züge über dieselbe Stelle erhöhen Wahrscheinlichkeit und Ausmaß. Am Hals kommt es besonders häufig dazu, unter anderem weil die Haare dort flacher aus der Haut treten (Maurer et al. 2016). Die genauen Ursachen sind noch wenig untersucht.

Rasierwasser, Balsam, Serum oder Öl

Vier Produktarten kommen nach der Rasur infrage.

Produktart Aufbau Gefühl auf der Haut Wann es passt
Rasierwasser Wasser und Alkohol, meist mit Duftstoffen verdunstet schnell, kühl und trocken; kann brennen wenn du das frische Gefühl und den Duft magst
After-Shave-Balsam Emulsion aus Wasser und Öl, oft mit Glycerin; mit oder ohne Alkohol und Duft cremig, leichter Film wenn die Haut spannt und ein Schritt genügen soll
Wässriges Serum oder Gel vor allem Wasser oder Pflanzensaft, kein Fett leicht, kein Film als erste Schicht; allein, wenn danach nichts spannt
Öl nur Fett, kein Wasser; pur oder mit ätherischen Ölen glatt, leichter Glanz als zweite Schicht, in kleiner Menge

Die Tabelle beschreibt Produktarten allgemein. Was ein einzelnes Produkt enthält, zeigt seine Inhaltsstoffliste; Alkohol steht dort als „Alcohol“ oder „Alcohol denat.“.

Alkohol im Rasierwasser hat seinen Zweck: Er verdunstet schnell, hinterlässt ein kühles, trockenes Gefühl und trägt den Duft. Viele mögen genau das. Auf frisch rasierter Haut kann er brennen. Für abgeschürfte und verletzte Haut wird Alkohol nicht empfohlen, auch wegen des zu erwartenden Brennens (Lachenmeier 2008).

Eine Übersichtsarbeit zur Pflege von Männerhaut betont, dass die Gesichtshaut nach der Rasur wieder Feuchtigkeit bekommen soll. Beschrieben werden dort Produkte mit Glycerin und Emollienzien, also geschmeidig machenden Fetten (Draelos 2012).

Der Ablauf nach der Rasur

  1. Abspülen: Spül Schaumreste mit lauwarmem bis kühlem Wasser ab.
  2. Trocken tupfen: Drück das Handtuch auf die Haut, statt zu rubbeln. Sie darf leicht feucht bleiben.
  3. Etwas Wässriges: Gib eine kleine Menge Serum in die Handfläche und klopf sie auf die rasierten Stellen. Ein sehr flüssiges Serum wie das Aloe Vera Serum 99,6% lässt sich auch aufsprühen.
  4. Kurz warten: bis nichts mehr läuft, meist weniger als eine Minute.
  5. Wenig Öl: Verreib zwei bis drei Tropfen zwischen den Handflächen und leg sie auf, ohne zu reiben. Morgens reichen eher ein bis zwei, sonst glänzt die Haut.

Die Schritte sind übliche Praxis, keine Messwerte. Zwei bis drei Tropfen nennt die Produktseite für das Faceoil; für ein pures Öl wie Jojobaöl ist die Zahl ein Erfahrungswert. Warum das Wässrige zuerst kommt, steht unter Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.

Brennt die Haut nach der Rasur deutlich oder ist sie stark gerötet, bleibt es an diesem Tag bei Wasser. Pflegeprodukte gehören nicht auf verletzte oder gereizte Haut.

Duft lieber später

Ob ein Duftstoff auf frisch rasierter Haut brennt, ist individuell. Die Öffnung des Haarfollikels gilt als Stelle, an der Stoffe von außen leicht in die Haut gelangen (Maurer et al. 2016), und der Hornschicht fehlt nach der Rasur ein Teil. Es spricht deshalb einiges dafür, Duft erst später am Tag aufzutragen oder an Tagen ohne Rasur. Das ist eine Vorsichtsregel, kein Messergebnis.

Sie gilt auch für ein Gesichtsöl mit ätherischem Öl. Das Faceoil - Lavendel enthält Lavendelöl; seine Inhaltsstoffliste nennt dazu Linalool und Limonene. Es passt eher abends. Mehr zu diesen Namen: Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene.

Schließt kaltes Wasser die Poren?

Nein. Eine Pore ist die Öffnung eines Haarfollikels mit seiner Talgdrüse. Einen Verschluss, der auf- und zugeht, hat sie nicht. Wie groß Poren wirken, hängt nach einer Übersichtsarbeit vor allem an drei Dingen: an der Talgmenge, an der Elastizität der Haut um die Pore und an der Größe des Haarfollikels (Lee et al. 2016). Kühles Wasser fühlt sich frisch an, Rasierwasser hinterlässt beim Verdunsten ein straffes Gefühl. Nach unserer Einordnung hält beides nur kurz an und ändert an den Poren nichts Bleibendes.

Mit Bart: Konturen und Hals

Wer Bart trägt, rasiert meist nur die Ränder: Wangenlinie, Hals und Nacken. Dort gilt derselbe Ablauf. Am Hals lohnt es sich besonders, mit wenig Druck und möglichst nur einmal über jede Stelle zu rasieren.

Serum und Öl kommen auf die rasierten Ränder. Was vom Öl an den Händen bleibt, streichst du ins Barthaar. Mehr dazu unter Bartbalsam oder Bartöl: Was ist der Unterschied? und Warum kratzt der Bart beim Wachsen, und was macht ihn weicher?

Wann ärztlichen Rat holen?

Leichte Rötung und ein kurzes Brennen, die nach der Rasur rasch nachlassen, sind nicht ungewöhnlich. Hol ärztlichen Rat, wenn Rasurbrand über Tage anhält oder nach jeder Rasur wiederkommt, wenn sich Pusteln oder schmerzhafte Knötchen bilden, wenn Haare einwachsen, wenn ein Schnitt nicht aufhört zu bluten, anschwillt oder eitert, oder wenn du vermutest, auf einen Inhaltsstoff zu reagieren. Ein Serum oder ein Öl ist dafür keine Behandlung. Rasiere bis dahin nicht über die betroffenen Stellen und trag dort nichts Duftendes auf.

Häufige Fragen

Warum brennt Rasierwasser auf frisch rasierter Haut?
Weil der Haut nach der Rasur ein Teil der obersten Hornschicht fehlt und Alkohol auf solcher Haut brennen kann. Lässt das Brennen nicht rasch nach, spül das Produkt mit Wasser ab.

Muss ich auf Rasierwasser mit Alkohol verzichten?
Nein. Wenn du es magst und die Haut danach weder brennt noch spannt, spricht nichts dagegen. Wer nur das Brennen nicht mag, trägt es später am Tag auf.

Reicht nach der Rasur ein Öl allein?
Manchmal. Ein Öl enthält kein Wasser; es macht die Haut geschmeidig und kann die Verdunstung bremsen. Spannt die Haut trotzdem, gehört etwas Wässriges darunter.

Kann auch ein Serum ohne Alkohol nach der Rasur brennen?
Ja. Das Aloe Vera Serum ist mit Zitronensäure leicht sauer eingestellt, und frisch rasierte Haut reagiert stärker als sonst. Brennt es, spül es mit Wasser ab und trag es an Rasurtagen erst abends auf.

Gilt das alles auch für die elektrische Rasur?
Im Kern ja. Die oben genannte Messung stammt aus einer elektrischen Rasur. Der Ablauf danach bleibt gleich; nur das Abspülen von Schaum entfällt.

Bei forpeople

Ein Rasierwasser oder einen After-Shave-Balsam führen wir nicht. Im Sortiment sind ein wässriges Serum und Öle.

  • Aloe Vera Serum 99,6%, 250 ml, 24,90 €: laut Inhaltsstoffliste Aloe-Saft, Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat. Es enthält weder Alkohol noch Parfum oder ätherische Öle, auch kein Glycerin, und ist wasserhaltig und konserviert. Die Produktseite nennt die Anwendung nach der Rasur.
  • Zerstäuber für dein Aloe Vera Serum, 3,90 €: ein Sprühaufsatz zum Aufschrauben, ohne Inhalt. Das Produktbild zeigt ihn auf der 250-ml-Flasche des Serums.
  • Jojobaöl – kaltgepresst, 100 ml, 16,90 €: ein einzelnes Öl ohne ätherische Öle.
  • Faceoil - Lavendel, 50 ml, 21,90 €: Argan-, Wildrosen-, Jojoba-, Borretsch- und Hanföl mit ätherischem Lavendelöl. Eher für den Abend.

Für Serum und Öle gilt laut Produktseite: Kontakt mit den Augen vermeiden und nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung.

Mehr dazu: Mit Öl rasieren statt mit Schaum: Geht das? · Gesichtspflege für Männer: Was braucht die Haut wirklich? · Glatze pflegen: Was braucht rasierte Kopfhaut? · Deo nach der Rasur: Warum brennt es, und was hilft?

Aus dem Blog: Aloe Vera Serum: Wofür es wirklich gut ist – und was es nicht kann

Quellen

  1. Maurer M, Rietzler M, Burghardt R, Siebenhaar F (2016): The male beard hair and facial skin – challenges for shaving. International Journal of Cosmetic Science 38 Suppl 1: 3–9. https://doi.org/10.1111/ics.12328
  2. Turner GA, Moore AE, Marti VP, Paterson SE, James AG (2007): Impact of shaving and anti-perspirant use on the axillary vault. International Journal of Cosmetic Science 29(1): 31–38. https://doi.org/10.1111/j.1467-2494.2007.00361.x
  3. Chaturvedi P, Kroon W, Zanelli G, Worsley PR (2024): An exploratory study of structural and microvascular changes in the skin following electrical shaving using optical coherence topography. Skin Research and Technology 30(7): e13830. https://doi.org/10.1111/srt.13830
  4. Lachenmeier DW (2008): Safety evaluation of topical applications of ethanol on the skin and inside the oral cavity. Journal of Occupational Medicine and Toxicology 3: 26. https://doi.org/10.1186/1745-6673-3-26
  5. Draelos ZD (2012): Male skin and ingredients relevant to male skin care. British Journal of Dermatology 166 Suppl 1: 13–16. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.2011.10784.x
  6. Lee SJ, Seok J, Jeong SY, Park KY, Li K, Seo SJ (2016): Facial Pores: Definition, Causes, and Treatment Options. Dermatologic Surgery 42(3): 277–285. https://doi.org/10.1097/DSS.0000000000000657