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Zement und Mörtel: Warum werden die Hände so trocken?

Kurz gesagt

Frischer Zement, Mörtel und Beton sind stark alkalisch, entziehen der Haut Wasser und reiben wie feines Schleifpapier. Zusammen greift das die Hornschicht an: Die Hände werden trocken, rau und rissig. Angerührter Zement gehört deshalb nicht auf die Haut. Trag dichte Handschuhe, spül Spritzer sofort mit viel Wasser ab und creme erst nach der Arbeit ein, auf saubere, trockene Haut.

Was Zement mit der Haut macht

Die Wirkung beginnt, sobald Wasser dazukommt, im Eimer oder durch den Schweiß auf der Haut. Dann entsteht eine stark alkalische Lösung. Die Stoffdatenbank GESTIS der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung nennt für angerührten Zement einen pH-Wert von 11 bis 13,5 (GESTIS 2026). Die Hornschicht der Haut liegt dagegen im leicht sauren Bereich um pH 5,5 (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Jede Stufe der pH-Skala steht für das Zehnfache.

Drei Eigenschaften kommen zusammen:

  • Alkalisch: In Versuchen ließen schon Lösungen mit pH 10 die Hornschicht quellen und veränderten ihre Fette, auch ohne Tenside (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Angerührter Zement liegt deutlich darüber.
  • Wasserentziehend: GESTIS beschreibt für Zement eine „wasserentziehende Wirkung“. Auch der trockene Staub zieht Feuchtigkeit an (Alam et al. 2007).
  • Mechanisch: Die feinen Körner scheuern die Haut auf, im Mörtel und Beton zusammen mit Sand (HSE 2025).

Zement ist als hautreizend eingestuft und trägt den Gefahrenhinweis „Verursacht Hautreizungen“ (GESTIS 2026). Dazu kommt die Arbeit selbst: Nässe, Schweiß im Handschuh und das gründliche Waschen am Abend. Warum schon das austrocknet, steht unter Rissige Hände vom vielen Waschen.

Wann ärztlichen Rat holen?

Nasser Zement kann die Haut verätzen, wenn er länger einwirkt, vor allem dort, wo er eingeschlossen ist: im Handschuh, im Stiefel oder beim Knien im frischen Estrich (HSE 2025). Solche Verätzungen beginnen schleichend, viele Betroffene spüren anfangs nur eine leichte Reizung. In einer irischen Auswertung von 46 Fällen aus zehn Jahren entstanden 13 % im häuslichen Bereich (Alam et al. 2007).

  • Zement im Handschuh, im Stiefel oder in der Kleidung: sofort ausziehen, die Haut abstäuben, unter fließendem Wasser abspülen und mit Seife gründlich reinigen (GESTIS 2026).
  • Brennen, Rötung, Blasen oder verfärbte Stellen: nach dem Spülen noch am selben Tag ärztlich abklären lassen. Sag dazu, dass es Zement war.
  • Spritzer im Auge: zehn Minuten unter fließendem Wasser spülen, die Lider dabei offen halten, danach sofort in die augenärztliche Praxis oder in die Klinik (GESTIS 2026).
  • Rötung, Schuppung, Risse oder Bläschen, die über Tage bleiben oder immer wiederkommen: hautärztlich abklären lassen, im Beruf über die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt. Dahinter kann ein Zementekzem stecken.

Auf gereizte, offene oder verätzte Haut gehört keine Kosmetik.

Welches Material, welcher Schutz

Material Was es besonders macht Schutz
Zement, Frischbeton, Mörtel, Estrich angerührt stark alkalisch (pH 11 bis 13,5), wasserentziehend; Sand reibt zusätzlich dichte Handschuhe, lange Kleidung, dichte Schuhe oder Stiefel; nichts von oben hineinlaufen lassen
Fliesenkleber, Fugenmörtel, viele Spachtelmassen oft zementhaltig und dann wie Zement zu behandeln; was enthalten ist, steht auf dem Gebinde Handschuhe auch beim Verfugen; Fugen nicht mit dem bloßen Finger glätten
Kalkputz, Kalkmörtel, Kalkfarbe enthalten gelöschten Kalk (Calciumhydroxid); die gesättigte Lösung hat pH 12,6 wie bei Zement; bei Spritzgefahr eine dicht schließende Schutzbrille
Gips, Gipsspachtel fast neutral (pH 7,7) und nach der CLP-Verordnung kein gefährlicher Stoff; das Pulver wirkt aber wasserentziehend und reibt bei längerer Arbeit Handschuhe; danach waschen und eincremen

Die Werte stammen aus den Datenblättern zu Zement, Calciumhydroxid und Calciumsulfat (GESTIS 2026). Dass viele Fliesenkleber Zement enthalten, ist Baupraxis; maßgeblich ist das Etikett.

Handschuhe: Für Zement nennen GESTIS und die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie nitrilgetränkte Baumwollhandschuhe. Lederhandschuhe sind ungeeignet, weil sie Flüssigkeit durchlassen und häufig chromgegerbt sind (BG RCI 2026). Die britische Arbeitsschutzbehörde rät zu langen oder am Bund eng anliegenden Handschuhen, damit kein Zement zwischen Handschuh und Haut gerät (HSE 2025). Eine Creme ersetzt das nicht: Laut GESTIS bieten Hautschutzsalben keinen ausreichenden Schutz gegen Zement.

„Chromatarm“: Der Aufdruck geht auf eine EU-Regel zurück. Zement und zementhaltige Gemische dürfen nicht verkauft oder verwendet werden, wenn sie nach dem Anrühren mehr als 2 mg lösliches Chrom(VI) je Kilogramm Trockenmasse des Zements enthalten. Sorgt ein Reduktionsmittel dafür, muss auf der Verpackung stehen, wann abgepackt wurde und wie lange der Wert bei welcher Lagerung hält (REACH, Anhang XVII Nr. 47). Die Regel begrenzt einen Begleitstoff, der die Haut sensibilisieren kann. An der Alkalität ändert sie nichts: Auch chromatarmer Zement gilt nicht als unbedenklich (BG RCI 2026).

Nach der Arbeit: fünf Schritte

  1. Abstäuben und abspülen: Trockenen Staub abklopfen, dann die Hände unter fließendes Wasser halten.
  2. Waschen: mit lauwarmem Wasser und Seife, gründlich bis über die Handgelenke, aber ohne Bürste und ohne Scheuermittel.
  3. Abtrocknen: vollständig, auch zwischen den Fingern.
  4. Eincremen: eine fetthaltige Pflege auf die saubere, trockene Haut, zum Beispiel die Feste Handcreme – Bienenwachs. Fingerkuppen, Knöchel und Nagelränder gehören dazu.
  5. Abends dicker: vor dem Schlafen eine reichhaltige Schicht, etwa die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel, nur auf intakte Haut. Wie das mit Baumwollhandschuhen geht, zeigt die Seite Handmaske über Nacht.

Die Reihenfolge folgt den Hygienehinweisen in GESTIS: Haut vor Pausen und bei Arbeitsende mit Wasser und Seife reinigen, danach fetthaltige Hautpflegemittel verwenden (GESTIS 2026). Die Schritte 2 und 3 und die Abendpflege sind übliche Praxis. Nach der britischen Behörde ersetzen Pflegeprodukte die natürlichen Fette, die die Haut für ihre Barriere braucht (HSE 2025). Wie ein Wachsfilm die Verdunstung verringert, erklärt Okklusion und TEWL. Brennt die Creme auf rauen Stellen, lies Warum brennt Handcreme auf rissigen Händen?.

Heimwerken am Wochenende

Wer nur ein Wochenende lang Fliesen legt, einen Zaunpfosten einbetoniert oder eine Wand verputzt, unterschätzt das Material leicht. Diese Gewohnheiten helfen:

  • Handschuhe anziehen, bevor du anrührst. Leg ein zweites Paar bereit, falls das erste innen nass wird.
  • Fugen mit Fugbrett und Schwamm glätten, nicht mit dem Finger.
  • Nicht im frischen Estrich oder Beton knien. Die Hose gehört über den Stiefelschaft, damit nichts hineinläuft.
  • Wasser in Reichweite stellen. Spritzer spülst du sofort ab.
  • Das Gebinde lesen: Gefahrenhinweise, Abpackdatum und Lagerdauer.

In den Tagen danach cremst du morgens, nach dem Händewaschen und abends ein.

Häufige Fragen

Warum sind meine Hände nach dem Betonieren noch tagelang rau?
Weil alkalische Lösung, Wasserentzug und Scheuern zusammenkamen. Die Hornschicht braucht Zeit, bis sie sich erneuert hat. Bis dahin hilft regelmäßige Pflege auf sauberer, trockener Haut. Wird es nach einigen Tagen nicht besser, lass die Haut ärztlich ansehen.

Kann ich mich vor der Arbeit eincremen, damit der Zement nicht an die Haut kommt?
Nein. Eine Pflegecreme ist kein Schutz, und selbst Hautschutzsalben reichen laut GESTIS gegen Zement nicht aus. Schutz geben dichte Handschuhe und geschlossene Kleidung. Die Pflege kommt danach.

Hilft Essig gegen Zement auf der Haut?
Die amtlichen Hinweise nennen fließendes Wasser und Seife, keine Hausmittel. Eine geprüfte Empfehlung für Essig kennen wir nicht. Spül lange und mit viel Wasser.

Wie bekomme ich angetrockneten Mörtel von den Händen?
Weich ihn in lauwarmem Wasser ein und wasch mehrmals mit Seife, statt zu kratzen oder zu bürsten. Lösemittel gehören nicht auf die Haut. Für Öl, Fett und Schmiere gibt es eine eigene Seite: Öl und Schmiere an den Händen: Wie wasche ich sie schonend ab?.

Die feste Creme ist bei Kälte hart. Wie trage ich sie nach der Baustelle auf?
Trag die Dose in der Innentasche, dann bleibt die Creme weicher. Streich mit warmen Fingern über die Oberfläche und verreib die dünne Schicht auf beiden Händen. Mehr dazu unter Wie trage ich eine feste Creme richtig auf?.

Bei forpeople

Unsere festen Handcremes sind Pflege für die Zeit nach der Arbeit. Sie sind kein Hautschutzmittel im Sinne der Arbeitsschutzregel TRGS 401, kein Handreiniger und kein Ersatz für Handschuhe. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) besteht laut Inhaltsstoffliste aus Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt, ohne Wasser und ohne zugesetzten Duft; sie riecht nach Bienenwachs. Die Metalldose passt in Jacke und Werkzeugkiste und wird mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs (30 g, 7,90 €) wieder gefüllt. Das Handpflege-Set – gegen raue, rissige Hände (2× feste Handcreme) (60 g, 16,90 €) enthält eine Dose und einen Refiller. Für den Abend gibt es die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) mit Oliven-, Mandel- und Rizinusöl, Bienenwachs, Lärchenharz, Propolis und ätherischen Ölen; sie duftet deutlich. Wer auf Harz oder Propolis reagiert, liest vorher Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?. Alle vier Produkte sind laut Sicherheitshinweis nicht für verletzte oder gereizte Haut gedacht. Bemerkst du eine Hautreaktion, beende die Anwendung.

Mehr dazu: Handpflege bei Handwerk und Gartenarbeit · Handcreme unter Latex- oder Nitrilhandschuhen? · Trockene Hände durch Papier, Karton und Kreide: Woran liegt es?

Aus dem Blog: Hände und Füße durch den Winter: Routine für morgens und abends

Quellen

  1. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Institut für Arbeitsschutz (IFA): GESTIS-Stoffdatenbank, Datenblätter „Zement“ (ZVG-Nr. 80660), „Calciumhydroxid“ (ZVG-Nr. 1150) und „Calciumsulfat“ (ZVG-Nr. 1170). Abgerufen am 8. Oktober 2026. https://gestis.dguv.de/data?name=080660
  2. Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates (REACH), Anhang XVII Nr. 47 „Chrom-VI-Verbindungen“. Konsolidierte Fassung vom 22. Juni 2026. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02006R1907-20260622
  3. Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI): Praxishandbuch Baustoffindustrie, Kapitel A 1.14 „Chromate in der Betonindustrie“. Abgerufen am 8. Oktober 2026. https://www.bgrci.de/praxishandbuch-baustoffindustrie/a-grundlagen/a-1-allgemeines/a-114-chromate-in-der-betonindustrie
  4. Health and Safety Executive (HSE): Construction hazardous substances: Cement. Stand 4. September 2025, abgerufen am 8. Oktober 2026. https://www.hse.gov.uk/construction/healthrisks/hazardous-substances/cement.htm
  5. Ananthapadmanabhan KP, Moore DJ, Subramanyan K, Misra M, Meyer F (2004): Cleansing without compromise: the impact of cleansers on the skin barrier and the technology of mild cleansing. Dermatol Ther 17(Suppl 1): 16–25. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1002.x
  6. Alam M, Moynagh M, Lawlor C (2007): Cement burns: the Dublin national burns unit experience. J Burns Wounds 7: e4. PMID 18091981. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18091981/