Warum der Stall im Winter die Hände angreift
Die landwirtschaftliche Sozialversicherung SVLFG nennt in ihrer Broschüre zum Hautschutz, was die Hände in den grünen Berufen täglich strapaziert: Feuchtarbeit, langes Handschuhtragen, Abrieb und aggressive Stoffe. Drei Vorgänge schwächen dabei die Hornschicht. Staub, Schmutz und Reinigungsmittel entziehen ihr Fette. Wasser und Schweiß im Handschuh lassen sie aufquellen. Mechanischer Abrieb verletzt sie (SVLFG 2021).
Im Winter kommt die Kälte dazu. Bei Kälte ist die Haut weniger durchblutet und bildet weniger Talg; kalte Luft ist trockener und entzieht der Haut Feuchtigkeit (DGUV 2026). Eine Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass niedrige Luftfeuchte und niedrige Temperaturen die Barrierefunktion der Haut allgemein verringern und sie anfälliger für mechanische Belastung machen (Engebretsen et al. 2016). Das passt zu der Erfahrung, dass derselbe Gabelstiel im Januar mehr Spuren hinterlässt als im Juni. Auch die Arbeitsschutzregel TRGS 401 zählt Kälte zu den Bedingungen, die die Gefährdung der Haut erhöhen können (AGS 2022).
Oft reißt die Haut zuerst an den Fingerkuppen. Warum, erklärt die Seite Rissige Fingerkuppen im Winter: Ursachen und Pflege.
Welche Arbeit die Haut wie belastet
Die Tabelle ordnet die üblichen Handgriffe den Belastungen zu, die die SVLFG und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung beschreiben. Für einzelne Stallarbeiten gemessen wurde das nicht; die Zuordnung ist Praxis.
| Arbeit | Was die Haut belastet | Was hilft |
|---|---|---|
| Misten und Einstreuen | Reibung am Gabelstiel, Staub, feuchte Einstreu | Arbeitshandschuhe mit gutem Griff; Staub abklopfen, bevor du die Hände wäschst |
| Heu und Stroh füttern | trockener Staub, harte Halme, kleine Kratzer | Handschuhe und lange Ärmel |
| Tränken, Eimer tragen, Abspritzen | kaltes Wasser, kaltes Metall, nasse Handschuhe | flüssigkeitsdichte, gefütterte Handschuhe; durchnässte Paare wechseln |
| Putzen und Hufe auskratzen | Schmutz, Nässe, viele Handgriffe ohne Handschuh | dünne Handschuhe mit Tastgefühl; danach die Hände abtrocknen |
| Zügel, Strick und Longe | Reibung und Zug auf kalter Haut, nasses Leder | Reithandschuhe, die trocken sind |
| Händewaschen danach | Wasser und Seife lösen Hautfette | lauwarm und mild waschen, gut abtrocknen, dann eincremen |
Handschuhe: warm, trocken, zum Wechseln
Die SVLFG rät, bei Kälte Handschuhe zu tragen, die die Hände warm halten. Handschuhe mit geprüftem Kälteschutz sind nach der Norm EN 511 gekennzeichnet (SVLFG 2021). Aus derselben Broschüre:
- Trocken hinein: Zieh Handschuhe nur über saubere, trockene Hände.
- Wechselpaar: Durchnässte Handschuhe wechselst du. Ein zweites Paar gehört deshalb in die Stalljacke.
- Trocknen: Dreh die Handschuhe vor dem nächsten Tragen auf links und lass sie trocknen.
- Leder: Es hält warm, eignet sich aber nicht für feuchte Arbeiten.
- Dichte Handschuhe: Trag sie nicht länger als nötig. Baumwollhandschuhe darunter nehmen den Schweiß auf.
- Maschinen: An rotierenden Teilen trägst du keine Handschuhe, weil sie eingezogen werden können.
Eine Routine in drei Zeitpunkten
- Vor dem Stall: Creme die Hände nicht direkt vorher ein. Ein frischer Fettfilm macht Gabelstiel und Zügel rutschig, und Staub bleibt daran hängen. Wenn du morgens pflegst, dann früh und dünn, sodass beim Losgehen nichts mehr auf der Haut liegt. Im Betrieb gehört vor die Arbeit ein Hautschutzmittel nach Hautschutzplan; Pflegeprodukte sind dafür nicht gedacht (DGUV 2026).
- Nach dem Stall: Klopf groben Schmutz trocken ab. Wasch die Hände dann lauwarm mit einem milden Mittel und ohne Bürste. Zu kaltes Wasser reinigt schlechter, zu warmes verstärkt die Reizwirkung von Reinigungsmitteln (DGUV 2026); Handbürsten belasten die Haut mechanisch (SVLFG 2021). Trockne die Hände sorgfältig ab, auch zwischen den Fingern, und gib die Pflege auf die trockene Haut.
- Vor dem Schlafen: Jetzt darf die Schicht dicker sein. Das zusätzliche Eincremen vor dem Schlafengehen hilft der Haut, sich über Nacht zu erholen (SVLFG 2021). Baumwollhandschuhe halten die Pflege an den Händen; wie das geht, beschreibt Handmaske über Nacht: Was sie bringt und wie sie geht.
Feste Creme, Kälte und Melkfett
Nach der Arbeit braucht die Haut vor allem Fett. Ein Film aus Wachs und Öl verringert die Verdunstung von Wasser aus der Haut; den Mechanismus erklärt die Seite Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt. Wasserfreie Pflege enthält außerdem kein Wasser, das auf der Haut verdunstet und sie dabei kühlt. Vor Frost schützt sie nicht: Kälteschutzcreme: wasserfrei, aber kein Frostschutz.
Im kalten Stall wird eine feste Creme hart, weil Wachse und Öle bei niedrigen Temperaturen fester werden. Trag die Dose körpernah in der Innentasche und wärme sie kurz in der geschlossenen Hand an. Mehr dazu unter Feste Kosmetik lagern: Hitze, Sommer und Winter.
Das bekannteste Hausmittel im Stall ist Melkfett. Was drin ist und was es kann, erklärt die Seite Melkfett für die Hände: Was ist drin, und was kann es?.
Wann ärztlichen Rat holen?
Auf offene, blutende oder nässende Risse gehört keine Kosmetik; deck sie sauber ab. Hol dir ärztlichen Rat, wenn Risse tief sind oder sich nicht schließen, wenn die Haut stark gerötet oder geschwollen ist, Bläschen bildet oder eitert, und wenn Rötung, Schuppung oder Brennen trotz Handschuhen und Pflege nach einigen Tagen nicht abklingen. Das gilt auch für Hautveränderungen nach Kontakt mit Tieren oder Stallmitteln und für Finger, die nach Kälte weiß und gefühllos bleiben. Wer beruflich im Stall arbeitet, wendet sich an eine Hautarztpraxis oder an die Arbeitsmedizin; bei Verdacht auf eine berufsbedingte Hauterkrankung kann die SVLFG ein Hautarztverfahren einleiten (SVLFG 2021).
Häufige Fragen
Soll ich die Hände direkt vor dem Misten oder Reiten eincremen?
Nein. Ein frischer Film aus Wachs und Öl macht den Griff an Gabel, Strick und Zügel unsicher. Pflege gehört in die Zeit nach der Arbeit und vor das Schlafengehen; morgens höchstens früh und dünn.
Warum ist meine feste Handcreme im Stall so hart?
Wachse und Öle werden in der Kälte fester. Das ändert nichts an der Creme. Trag die Dose in der Innentasche oder wärme sie kurz in der Hand an; dann lässt sich wieder eine dünne Schicht abnehmen.
Nasse Handschuhe: weitertragen oder wechseln?
Wechseln. In nassen Handschuhen kühlen die Hände aus, und die Hornschicht quillt auf. Die SVLFG rät, durchnässte Handschuhe zu tauschen und Handschuhe vor dem nächsten Tragen auf links zu drehen und trocknen zu lassen.
Reicht kaltes Wasser zum Händewaschen im Stall?
Lauwarmes Wasser ist besser. Ist das Wasser zu kalt, löst sich der Schmutz schlechter, und man greift eher zu schärferen Reinigern. Zu warmes Wasser verstärkt die Reizwirkung von Reinigungsmitteln. So beschreibt es die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.
Melkfett oder feste Handcreme: Was nehme ich?
Beides ist fettreiche Pflege für die Zeit nach der Arbeit. Die Produkte unterscheiden sich in Rohstoffen, Duft und Hautgefühl. Lies die Inhaltsstoffliste und nimm, was du gern und regelmäßig verwendest.
Kann ich die Handcreme auch für mein Pferd oder meinen Hund nehmen?
Nein. Unsere Handcremes sind kosmetische Mittel für die Haut von Menschen. Für Tiere sind sie nicht gedacht; frag dafür in der Tierarztpraxis.
Bei forpeople
Unsere festen Cremes und Salben sind Pflege für die Zeit nach der Arbeit. Sie sind keine Hautschutzmittel, kein Frostschutz und kein Ersatz für Handschuhe. Laut Produkthinweis werden sie nicht auf verletzter oder gereizter Haut angewendet.
- Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: laut Inhaltsstoffliste Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt. Ohne Wasser und ohne zugesetzten Duft.
- Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel, 50 g, 12,90 €: weiche Salbe für den Abend zu Hause. Sie duftet und enthält Lärchenharz, Propolis und ätherische Öle; was das bedeuten kann, steht unter Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?.
- Schutz-Set für trockene Hände, Füße & Lippen, 54,90 €: enthält laut Inhaltsstoffliste die feste Handcreme, die feste Fußcreme, eine Lippenpflege und die Bienensalbe.
Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung. Mehr dazu: Trockene Haut im Winter: Was bei Kälte und Heizluft hilft · Handpflege bei Handwerk und Gartenarbeit: Was passt? · Wie trage ich eine feste Creme richtig auf?
Aus dem Blog: Hände und Füße durch den Winter: Routine für morgens und abends · Pflege für Tage im Schnee: Hände, Lippen, Gesicht
Quellen
- Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (2021): Hautschutz. Broschüre B34, Reihe „Aktuelles zu Sicherheit und Gesundheitsschutz“, Stand 01/2021. https://www.svlfg.de/koerperschutz
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2026): DGUV Information 212-017 Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von beruflichen Hautmitteln. Ausgabe August 2026. https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/853/auswahl-bereitstellung-und-benutzung-von-beruflichen-hautmitteln
- Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301
- Ausschuss für Gefahrstoffe (2022): TRGS 401 Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen. Ausgabe Oktober 2022, GMBl 2022 S. 895–926 (Nr. 40), zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769 (Nr. 36). https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/TRGS-401



















