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Handpflege im Friseurberuf: Was gehört wann auf die Haut?

Kurz gesagt

Im Friseurberuf schützen vor allem Handschuhe bei nassen Arbeiten und bei Farbe, Blondierung und Dauerwelle sowie der Wechsel zwischen nassen und trockenen Tätigkeiten. Hautschutzcreme kommt vor Arbeitsbeginn und nach Pausen auf die Hände, Pflegecreme nach Arbeitsende und in der Freizeit. So ordnen es die Technische Regel TRGS 530 „Friseurhandwerk“ und der Hautschutzplan der Berufsgenossenschaft BGW. Eine Pflegecreme ersetzt weder Handschuhe noch Hautschutzmittel.

Warum Friseurhände so viel aushalten müssen

Im Salon sind die Hände viele Male am Tag nass. Die TRGS 530 nennt das Haarewaschen und das Schneiden und Legen feuchter Haare als typische Feuchtarbeit. Sie sieht darin eine hohe Gefährdung, weil Feuchtigkeit die Schutzfunktion der Haut gegenüber reizenden und sensibilisierenden Stoffen schwächt (AGS 2023). Die BGW beschreibt es so: Wasser und Shampoo lassen die Hornschicht aufquellen, Hautfette werden herausgelöst, und die Haut trocknet aus (BGW 2023).

Wie viel Nässe zusammenkommt, hat eine deutsche Studie gemessen. Geschulte Beobachter begleiteten 106 Acht-Stunden-Schichten. Im Mittel dauerte die Feuchtarbeit rund 2 Stunden und 17 Minuten; in 58 Prozent der Schichten lag sie zwischen zwei und vier Stunden, in 5 Prozent darüber. Mehr Kundschaft und mehr lange Haare bedeuteten mehr Feuchtarbeit (Kralj et al. 2011). Mitgezählt wurde die Zeit in dichten Handschuhen; nach der heutigen Regel ist sie allein keine Feuchtarbeit mehr.

Auch der Handschuh fordert die Haut: Ununterbrochenes Tragen kann Hautschäden zusätzlich begünstigen (AGS 2023). Mehr dazu unter Handcreme unter Latex- oder Nitrilhandschuhen?.

Was die TRGS 530 für die Hände regelt

Die Technische Regel gilt in der Fassung vom 20. April 2023. Sie richtet sich an Arbeitgeber und gilt auch für mobile Tätigkeiten und in Aus- und Fortbildungsstätten (AGS 2023).

Thema Was die Regel verlangt Abschnitt
Feuchtarbeit verteilen Auf mehrere Beschäftigte, mit einem ausgewogenen Wechsel zwischen Feucht- und Trockenarbeit. 4.3 (1)
Dauer Für alle unter vier Stunden pro Tag; angestrebt werden weniger als zwei Stunden. 4.3 (2)
Handschuhe Unter anderem beim Haarewaschen, beim Färben, Tönen und Blondieren, beim Ausspülen, bei Dauerwelle und Haarglättung, beim Mischen sowie beim Nassreinigen und Desinfizieren. 4.4 (1)
Schmuck Kein Arm- und Handschmuck bei der Arbeit; darunter wirken Feuchtigkeit und Chemikalien besonders stark auf die Haut. 4.1 (3)
Handwasch- und Handpflegeplatz Mit temperaturregulierbarem Wasser, Mitteln zum Hautschutz, zur Hautreinigung und zur Hautpflege sowie Einmalhandtüchern. 4.2 (3)
Hautschutz- und Händehygieneplan Hängt gut sichtbar aus und ordnet jeder Tätigkeit Schutz, Reinigung und Pflege zu. 4.4 (4)

Für die Auswahl der Hautmittel verweist die Regel auf die TRGS 401; mehr dazu unter Handpflege bei Handwerk und Gartenarbeit: Was passt?.

Was gehört wann auf die Haut?

Der Muster-Hautschutzplan der BGW trennt vier Zeitpunkte (BGW 2023); die Freizeit kommt als fünfter hinzu.

Zeitpunkt Mittel Wozu und wie
Vor Arbeitsbeginn und nach Pausen Hautschutzcreme Auf trockene, saubere Hände, etwa haselnussgroß. Sie muss vollständig eingezogen sein, bevor du Handschuhe anziehst.
Während der Tätigkeit Handschuhe Langstulpige Einmal- oder Waschhandschuhe beim Haarewaschen, Einmalhandschuhe bei Farbe, Dauerwelle, Blondierung und Glättung. Keine gepuderten Handschuhe.
Nach einzelnen Tätigkeiten, wenn nötig Hände waschen Bei Verschmutzung oder nach Kontakt mit Friseurchemikalien, mit einem pH-hautneutralen Präparat. Gut abtrocknen, dann wieder Hautschutzcreme.
Nach Arbeitsende Pflegecreme Auf trockene, saubere Hände; sorgfältig einmassieren, auch zwischen den Fingern, an Fingerkuppen, Nagelfalzen und Handgelenken.
Freizeit und Nacht Pflegecreme Die BGW nennt Pflege auch für die Freizeit. Eine zusätzliche Anwendung über Nacht kann die Erholung der Haut unterstützen (DGUV 2026).

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung nennt Pflege außerdem vor längeren Pausen. Das passt zum Friseurplan: Pflege zu Beginn der Pause, Hautschutzcreme, bevor es weitergeht. Maßgeblich ist der Plan deines Betriebs.

Zwei Punkte gelten für jede Pflegecreme. Erstens: Sie ist kein Hautschutzmittel und soll nicht vor oder während hautbelastender Arbeit verwendet werden (DGUV 2026). Zweitens: Zu stark fettende Hautmittel können unter Schutzhandschuhen die Haut zusätzlich aufweichen und möglicherweise den Schutz des Handschuhs mindern (AGS 2023).

Bei der Auswahl rät die BGW zu Produkten möglichst ohne Duft- und ohne bedenkliche Konservierungsstoffe. Für den gemeinsamen Handpflegeplatz empfiehlt die DGUV Spender oder Tuben; offene Gebinde wie Tiegel erfüllen dort die hygienischen Anforderungen nicht (DGUV 2026).

Auszubildende und Solo-Selbstständige

In der Ausbildung gilt dieselbe Regel: Die Feuchtarbeit wird auf alle Beschäftigten in gleichem Maß verteilt, ausdrücklich auch auf Auszubildende. Vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens einmal im Jahr steht eine Unterweisung an, mit einer Beratung zum Hautschutz (AGS 2023). Frag früh nach dem Hautschutzplan und trag Handschuhe von der ersten Haarwäsche an.

Wer allein arbeitet, kann Feuchtarbeit nicht verteilen. Umso mehr zählen Handschuhe bei jeder Haarwäsche und ein Terminplan, in dem nasse und trockene Arbeiten wechseln. Das ist unsere Folgerung, keine eigene Vorschrift. Unternehmerinnen und Unternehmer im Friseurhandwerk sind bei der BGW pflichtversichert (BGW 2026).

Nach Feierabend: Pflege in drei Schritten

  1. Wasch die Hände nach dem letzten Termin lauwarm und trockne sie sorgfältig ab.
  2. Trag die Pflege auf die trockene Haut auf. Bei einer festen Creme streichst du mit warmen Fingern über die Oberfläche und verreibst die dünne Schicht. Die Technik zeigt Wie trage ich eine feste Creme richtig auf?.
  3. Vor dem Schlafen darf die Schicht etwas dicker sein. Baumwollhandschuhe halten sie an den Händen; mehr dazu unter Handmaske über Nacht: Was sie bringt und wie sie geht.

Ein Film aus Wachs und Öl verringert die Verdunstung von Wasser aus der Haut. Den Mechanismus beschreibt die Seite Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt.

Wann ärztlichen Rat holen?

Lass Rötung, Schuppung, Risse, Bläschen oder Brennen an den Händen früh ansehen, wenn sie nicht nach wenigen Tagen abklingen: bei der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt oder in einer Hautarztpraxis. Die TRGS 530 sieht arbeitsmedizinische Vorsorge vor, als Angebot ab regelmäßig mehr als zwei Stunden Feuchtarbeit am Tag und als Pflicht ab vier Stunden (AGS 2023). In einer dänischen Befragung von 5.324 ausgebildeten Friseurinnen und Friseuren hatten drei Viertel der Betroffenen ihr Handekzem erstmals im Alter von 15 bis 24 Jahren (Lysdal et al. 2011). Die BGW bietet Versicherten eine Hautsprechstunde mit fachärztlicher Untersuchung an (BGW 2026). Auf offene oder nässende Stellen gehört keine Kosmetik.

Häufige Fragen

Darf ich im Salon meine eigene Handcreme benutzen?
Für die Arbeitszeit gilt der Hautschutz- und Händehygieneplan deines Betriebs. Deine eigene Pflege gehört in die Zeit nach Arbeitsende und in die Freizeit. Eine Dose, in die du mit dem Finger greifst, ist ein persönliches Stück und kein Mittel für den gemeinsamen Waschplatz.

Kann ich vor dem Haarewaschen Handcreme auftragen, statt Handschuhe zu tragen?
Nein. Beim Haarewaschen sind nach der TRGS 530 Handschuhe zu tragen. Eine Pflegecreme ist kein Hautschutzmittel, und ein Fettfilm unter dem Handschuh kann die Haut zusätzlich aufweichen.

Muss ich nach dem Ausziehen der Handschuhe die Hände waschen?
Nicht jedes Mal. Die BGW rät, die Hände nach dem Ablegen mit einem Einmalhandtuch abzutrocknen, wenn ein direkter Hautkontakt mit Friseurchemikalien ausgeschlossen ist. Gewaschen wird bei sichtbarer Verschmutzung oder nach Chemikalienkontakt.

Helfen Baumwollhandschuhe unter den Einmalhandschuhen?
Die BGW empfiehlt sie, wenn du die Handschuhe länger trägst, etwa beim Färben. Feuchte Unterziehhandschuhe wechselst du.

Mit oder ohne Duft: Welche Pflege passt nach der Arbeit?
Die BGW rät zu Produkten möglichst ohne Duft. Auch ätherische Öle sind Duftstoffe. Welche unserer Produkte keinen zugesetzten Duft enthalten, zeigt die Übersicht Ohne Duft und ätherische Öle: Inhaltsstoffe im Überblick.

Bei forpeople

Unsere festen Handcremes sind Pflege für die Zeit nach der Arbeit. Sie sind keine Hautschutzmittel und kein Ersatz für Handschuhe, und wir haben sie nicht auf die Verträglichkeit mit Handschuhmaterialien geprüft. Trag sie deshalb nicht direkt vor dem Anziehen von Handschuhen auf.

Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung. Mehr dazu: Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen: Was hilft? · Händedesinfektion und Handcreme: Was kommt zuerst? · Feste Handcreme: Bienenwachs oder Bergamotte – welche passt?

Aus dem Blog: Umstieg auf feste Pflege: Was in den ersten Wochen anders ist

Quellen

  1. Ausschuss für Gefahrstoffe (2023): TRGS 530 Friseurhandwerk. Technische Regel für Gefahrstoffe, Fassung vom 20.04.2023, GMBl 2023 S. 627–634 (Nr. 30). https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/TRGS-530
  2. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (2023): Hautschutz- und Händehygieneplan für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Friseurhandwerk. Bestell-Nr. BGW 06-13-090, Stand 10/2023. https://www.bgw-online.de/bgw-online-de/service/medien-arbeitshilfen/medien-center/hautschutz-und-haendehygieneplan-friseurhandwerk-20178
  3. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2026): DGUV Information 212-017 Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von beruflichen Hautmitteln. Ausgabe August 2026. https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/853/auswahl-bereitstellung-und-benutzung-von-beruflichen-hautmitteln
  4. Kralj N, Oertel C, Doench NM, Nuebling M, Pohrt U, Hofmann F (2011): Duration of wet work in hairdressers. International Archives of Occupational and Environmental Health 84(1): 29–34. https://doi.org/10.1007/s00420-010-0564-9
  5. Lysdal SH, Søsted H, Andersen KE, Johansen JD (2011): Hand eczema in hairdressers: a Danish register-based study of the prevalence of hand eczema and its career consequences. Contact Dermatitis 65(3): 151–158. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.2011.01935.x
  6. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (2026): Pflichtversicherung für Unternehmerinnen und Unternehmer; Hautsprechstunde. Internetseiten der BGW, abgerufen am 08.10.2026. https://www.bgw-online.de/bgw-online-de/service/beitrag-leistung/versicherungsschutz/pflichtversicherung-fuer-unternehmerinnen-und-unternehmer-91482 · https://www.bgw-online.de/bgw-online-de/service/schulung-beratung/hautsprechstunde-19010