Das Problem: Die Kopfhaut juckt nach dem Färben
Vor den Feiertagen noch schnell die Ansätze nachfärben, zu Hause oder beim Friseur: Schon während der Einwirkzeit brennt es, und abends spannt die Kopfhaut. Oder es ist zunächst alles gut, und am nächsten oder übernächsten Tag juckt es am Haaransatz und hinter den Ohren, die Augenlider sind geschwollen. Typisch ist, dass es nach Jahren ohne Probleme plötzlich passiert.
Laut dem britischen Gesundheitsdienst gehören Stechen und Brennen, ein juckender Ausschlag, Trockenheit, Spannen und Wundsein sowie Bläschen zu den häufigen Hautreaktionen auf Haarfarbe; Beschwerden können bis zu 72 Stunden nach dem Färben auftreten. Schwere Reaktionen und eine Anaphylaxie sind selten (NHS: Hair dye reactions). Die Tabelle hilft bei der Einordnung. Sie ersetzt keine Diagnose; nur eine ärztliche Untersuchung, bei Verdacht auf Allergie mit Epikutantest, bringt Klarheit.
| Was du bemerkst | Wann | Was es sein kann |
|---|---|---|
| Brennen und Stechen, danach gerötete, trockene, spannende Kopfhaut | Während der Einwirkzeit oder kurz danach | Reizung durch die alkalische Mischung mit Oxidationsmittel (Chan & Maibach 2010) |
| Schmerzhafte, nässende oder verkrustete Stelle | Nach dem Blondieren, oft mit Folie oder Wärme | Verätzung oder Verbrennung der Kopfhaut (Chan & Maibach 2010): ärztlich ansehen lassen |
| Juckender, trockener Ausschlag an den Oberlidern oder Ohrrändern | Stunden bis Tage nach dem Färben | Leichte Form einer Allergie gegen PPD (DermNet: PPD-Allergie) |
| Starke Rötung, Bläschen und Schwellung von Kopfhaut, Lidern, Gesicht und Hals | Stunden bis Tage nach dem Färben, nach Sensibilisierung oft schneller | Schwere allergische Kontaktreaktion (DermNet: PPD-Allergie): noch am selben Tag ärztlich |
| Schwellung von Lippen, Zunge oder Rachen, Atemnot, Schwindel | Meist rasch | Selten eine Anaphylaxie (NHS: Hair dye reactions): Notruf 112 |
| Schuppen und Juckreiz auch ohne Färben | Unabhängig vom Färbetermin, oft im Winter | Trockene Kopfhaut oder Schuppen, siehe Trockene Kopfhaut oder Schuppen? Ursachen im Winter und was hilft |
Warum das passiert: Chemie auf der Kopfhaut
Reizung durch Oxidation. Dauerhafte Haarfarben und Blondierungen arbeiten mit Wasserstoffperoxid unter alkalischen Bedingungen, beim Blondieren zusätzlich mit Persulfaten. Diese Mischung kann die Kopfhaut reizen und im Extremfall verätzen; dazu kommen Verbrennungen durch heiße Folie oder den Föhn (Chan & Maibach 2010). Eine Kopfhaut, die ohnehin trocken, aufgekratzt oder gereizt ist, reagiert stärker. Im Winter trocknen Heizungsluft, Mützen und heißes Föhnen die Kopfhaut zusätzlich aus. Deshalb steht auf Packungen dauerhafter Haarfarben der Pflichthinweis, nicht zu färben, wenn die Kopfhaut empfindlich, gereizt oder verletzt ist oder ein Ausschlag im Gesicht besteht (Richtlinie 2009/134/EG).
Allergie gegen Farbstoffe. PPD ist ein Vorläuferstoff dauerhafter Haarfarben. Zugelassen ist er nur in Oxidationshaarfarben mit sogenannten Kupplern und höchstens zu 2 % beim Auftragen (BfR 2011). PPD gilt als starkes Kontaktallergen. Unter Menschen mit Ekzemen, die im Allergietest auf PPD getestet wurden, reagierten in Europa im Mittel etwa 4 % (Thyssen & White 2008). Eine Allergie bleibt meist lebenslang; nach der Sensibilisierung kommt die Reaktion schneller, innerhalb von Stunden bis Tagen, und fällt stärker aus. Häufig reagieren Betroffene auch auf verwandte Stoffe, etwa auf Toluylendiamin, das manche Farben statt PPD enthalten; etwa die Hälfte der PPD-Allergiker kommt damit zurecht, aber nur nach vorherigem Test (DermNet: PPD-Allergie).
Schwere Schwellungen werden oft verkannt. In einer dänischen Erhebung mit 55 Menschen und schweren allergischen Reaktionen auf Haarfarbe waren Gesicht, Kopfhaut und Ohren oft stark geschwollen; das wurde häufig für eine andere Form der Schwellung gehalten, und fünf Betroffene kamen ins Krankenhaus (Søsted et al. 2002). Weil die Farbe an der Kopfhaut startet, zeigt sich eine Allergie oft zuerst an Stellen, die man nicht mit Haarfarbe verbindet: an den Lidern, am Hals und an den Ohren. Mehr zu diesen Stellen unter Trockene Haut am Hals, Nacken und Dekolleté: Ursachen und was hilft und Trockene Haut um die Augen und am Augenlid: Ursachen und was hilft.
Schwarzes Henna als Wegbereiter. Für Tattoos mit „schwarzem Henna“ wird rotes Henna mit PPD gemischt. Eine Übersichtsarbeit schätzt, dass etwa 2,5 % der so Tätowierten eine PPD-Allergie entwickeln; danach reagieren sie oft auf Haarfarben mit PPD (de Groot 2013). Deshalb steht auch dieser Punkt im Pflichthinweis auf der Packung (Richtlinie 2009/134/EG).
Und reines Henna? Rotes Henna selbst gilt als selten allergieauslösend (de Groot 2013). Behörden fanden aber Henna-Haarfärbemittel, denen PPD zugesetzt war, und zwar ohne Kuppler; dabei entsteht ein Stoff mit sehr hohem Allergiepotenzial (BfR 2011). Juckt die Kopfhaut nach einer „Henna“-Farbe, lohnt ein genauer Blick in die Inhaltsstoffliste.
Die Lösung Schritt für Schritt
| Schritt | Was du tust | Warum |
|---|---|---|
| Sofort | Brennt es stark: Farbe sofort auswaschen, nicht bis zum Ende der Einwirkzeit warten; Haare und Kopfhaut lauwarm und gründlich mit mildem Shampoo waschen | Das rät der britische Gesundheitsdienst, sobald eine Reaktion beginnt (NHS: Hair dye reactions) |
| Sofort | Nicht kratzen, nicht föhnen mit heißer Luft, keine Haarkur, kein Öl und keine Hausmittel auf die gereizte Kopfhaut | Jedes neue Produkt kann zusätzlich reizen und macht unklar, was wirkt |
| Am selben Tag | Bei Schwellung von Lidern oder Gesicht, Bläschen oder nässender Haut in die Hausarzt- oder Hautarztpraxis; bei Schwellung im Mund oder Atemnot 112 | So zeigen sich schwere Reaktionen (DermNet: PPD-Allergie), (NHS: Hair dye reactions) |
| Aufheben | Packung oder Inhaltsstoffliste behalten; beim Friseur nach der genauen Farbe fragen | Die Praxis braucht die Stoffe für den Allergietest |
| Bis zur Abklärung | Nicht färben, auch nicht mit einer anderen Marke; keine Henna-Tattoos | Nach einer Reaktion steht auf der Packung ausdrücklich: nicht färben (Richtlinie 2009/134/EG) |
| Abklären | Epikutantest in der Hautarztpraxis | Er zeigt, ob eine Allergie gegen PPD oder andere Stoffe vorliegt (NHS: Hair dye reactions) |
| Bei bestätigter Allergie | Keine Oxidationshaarfarben mehr; Friseur informieren; Ersatzfarben nur nach Test in der Praxis | Auch semipermanente Farben lösen bei etwa 10 % der PPD-Allergiker Reaktionen aus (DermNet: PPD-Allergie) |
| Vorbeugen ohne Allergie | Nur auf ruhiger Kopfhaut färben, Handschuhe tragen, am Haaransatz eine Schutzschicht aus Vaseline auftragen, Einwirkzeit nicht überschreiten | So rät es DermNet für Menschen ohne Allergie (DermNet: PPD-Allergie) |
Was hilft – und was eher nicht
| Maßnahme oder Annahme | Einordnung |
|---|---|
| Selbsttest 48 Stunden vor dem Färben, wie ihn viele Packungen beschreiben | Hersteller empfehlen ihn fast immer, die Anleitungen unterscheiden sich aber stark (Friis et al. 2018). Fachleute kritisieren, dass er nicht geprüft ist und starke Allergene hochkonzentriert auf der Haut lässt (Thyssen et al. 2012). Ein unauffälliger Test ist keine Gewähr; wer schon reagiert hat, testet nicht selbst, sondern lässt in der Praxis testen |
| „Ohne Ammoniak“ heißt ohne Allergierisiko | nein: Auslöser einer Allergie sind meist PPD und verwandte Farbstoffe, seltener Konservierungs- oder Duftstoffe (DermNet: PPD-Allergie) |
| „PPD-frei“ ist für PPD-Allergiker sicher | nicht ohne Test: Ersatzstoffe wie Toluylendiamin werden von etwa der Hälfte vertragen, von der anderen nicht (DermNet: PPD-Allergie) |
| Henna statt Chemie | reines rotes Henna ist selten Auslöser (de Groot 2013); manche „Henna“-Farben enthielten PPD (BfR 2011), also Inhaltsstoffliste lesen |
| Tattoo mit schwarzem Henna im Urlaub | nein: Es kann eine lebenslange PPD-Allergie auslösen (de Groot 2013) |
| Essig, ätherische Öle oder andere Hausmittel auf die gereizte Kopfhaut | nicht untersucht; Säure und Duftstoffe können zusätzlich reizen |
| Antihistaminika oder Kortison | nur nach Rat aus Apotheke oder Praxis (NHS: Hair dye reactions); sie ändern nichts daran, dass die Farbe künftig gemieden werden muss |
Typische Fehler
Der folgenreichste Fehler ist, weiter zu färben, weil es beim letzten Mal „nur gejuckt“ hat. Bei einer Allergie kann die nächste Reaktion schneller und deutlich stärker ausfallen (DermNet: PPD-Allergie). Zweitens: die Einwirkzeit verlängern, damit graue Haare besser abdecken, oder auf frisch aufgekratzter, schuppiger Kopfhaut färben. Drittens: eine geschwollene Lidpartie am Tag nach dem Färben für eine Reaktion auf die Augencreme halten. Viertens: nach einer Reaktion einfach die Marke wechseln, ohne die Inhaltsstoffe zu kennen. Fünftens: beim Friseur nicht sagen, dass es schon einmal gejuckt hat. Und wer im Salon arbeitet, sollte die eigenen Hände schützen; was dabei hilft, steht unter Handpflege im Friseurberuf: Was gehört wann auf die Haut?.
Wann ärztlichen Rat holen?
Sofort 112, wenn Lippen, Mund, Zunge oder Rachen plötzlich anschwellen, du schlecht Luft bekommst oder schlecht schlucken kannst, Haut oder Lippen blass oder bläulich werden oder dir schwindelig wird (NHS: Hair dye reactions). Fahr in dieser Lage nicht selbst.
Noch am selben Tag in die Haus- oder Hautarztpraxis, wenn Augenlider, Gesicht, Ohren oder Kopfhaut anschwellen, sich Bläschen bilden oder die Haut nässt (DermNet: PPD-Allergie).
In den nächsten Tagen in die Praxis, wenn
- Juckreiz und Rötung nach einigen Tagen nicht deutlich nachlassen oder nach jedem Färben wiederkommen,
- Lider, Ohrränder oder Hals nach dem Färben jucken und schuppen,
- nach dem Blondieren eine schmerzhafte, offene oder verkrustete Stelle bleibt,
- du schon einmal auf ein Henna-Tattoo reagiert hast und färben möchtest,
- ein Kind oder ein Teenager reagiert; dauerhafte Haarfarben sind laut Warnhinweis nicht für Menschen unter 16 Jahren bestimmt (Richtlinie 2009/134/EG).
Nimm Packung oder Inhaltsstoffliste mit. Wie du allgemein nach einer Reaktion auf Kosmetik vorgehst und wem du sie melden kannst, steht unter Kosmetik nicht vertragen: was tun, wem melden, zurückgeben?.
Häufige Fragen
Ist es normal, dass die Kopfhaut beim Färben brennt?
Ein leichtes Kribbeln kommt vor. Starkes Brennen ist ein Zeichen, dass die Mischung die Haut reizt: Dann wasch die Farbe sofort aus, statt die Einwirkzeit abzuwarten.
Was hilft, wenn die Kopfhaut nach dem Färben juckt?
Gründlich lauwarm mit mildem Shampoo auswaschen, nicht kratzen, keine neuen Produkte und vorerst nicht nachfärben. Wird es nicht in wenigen Tagen besser oder kommen Bläschen oder Schwellungen dazu, geh in die Praxis.
Welche Symptome hat eine Allergie gegen Haarfarbe?
Juckreiz und trockener Ausschlag an Lidern und Ohrrändern in leichten Fällen; in schweren Fällen Rötung, Bläschen und starke Schwellung von Kopfhaut, Gesicht, Lidern und Hals, oft erst Stunden bis Tage nach dem Färben.
Wie lange juckt die Kopfhaut nach dem Färben?
Eine leichte Reizung lässt meist in wenigen Tagen nach. Eine Allergie kann länger dauern. Beschwerden können bis zu 72 Stunden nach dem Färben erst beginnen.
Welche Hausmittel helfen?
Belastbare Belege für Hausmittel kennen wir nicht. Auswaschen mit mildem Shampoo und Ruhe für die Kopfhaut sind der sichere Weg; Essig oder ätherische Öle können zusätzlich reizen.
Wie kann ich testen, ob ich allergisch auf Haarfarbe bin?
Sicher geht das nur mit einem Epikutantest in der Hautarztpraxis. Den Selbsttest auf der Packung halten Fachleute für unzuverlässig; nach einer Reaktion ersetzt er den Test in der Praxis nicht.
Die Kopfhaut juckt nach Henna. Bin ich allergisch?
Reines rotes Henna löst selten Allergien aus. Manche Henna-Haarfarben enthielten jedoch PPD. Prüf die Inhaltsstoffliste und lass es abklären, wenn es stark juckt oder anschwillt.
Darf ich nach einer Allergie wieder färben?
Nicht mit Oxidationshaarfarben. Ob eine andere Farbe infrage kommt, klärt nur ein Test in der Praxis.
Bei forpeople
Haarfarbe stellen wir nicht her, und für die gereizte Kopfhaut haben wir kein Produkt. Bis die Kopfhaut ruhig ist, gehört dort nichts Neues hin.
Gefärbtes Haar ist an Längen und Spitzen oft trocken. Dafür passt ein Öl, das seine Produktseite ausdrücklich für die Haare nennt:
- Arganöl – kaltgepresst, 50 ml, 19,90 €: reines Arganöl ohne weitere Inhaltsstoffe; laut Produktseite als Leave-in-Pflege für Längen und Spitzen. Nicht auf die gereizte Kopfhaut.
Wie viel Öl in die Spitzen gehört, steht unter Pflegeöl für die Haarspitzen: welches, wie viel?. Auch Pflaster und Ohrringe lösen oft Kontaktreaktionen aus: Pflasterallergie: Ausschlag unter dem Pflaster – Reizung oder Allergie? und Ohrloch entzündet: Stecker rein oder raus, Nickel oder Infektion?. Schuppen im Gesicht und an den Augenbrauen haben oft andere Ursachen: Seborrhoisches Ekzem im Gesicht: Schuppen an Nase, Augenbrauen und Bart im Winter.
Quellen
- NHS: Hair dye reactions. Zuletzt geprüft am 29.12.2025, abgerufen am 30.10.2026. https://www.nhs.uk/conditions/hair-dye-reactions/
- DermNet: Allergy to paraphenylenediamine. Ngan V (2002), aktualisiert von Gomez J, August 2018, abgerufen am 30.10.2026. https://dermnetnz.org/topics/allergy-to-paraphenylenediamine
- Richtlinie 2009/134/EG der Kommission vom 28. Oktober 2009 zur Anpassung des Anhangs III der Richtlinie 76/768/EWG über kosmetische Mittel (Warnhinweise für Haarfärbemittel). ABl. L 282 vom 29.10.2009. Abgerufen über umwelt-online am 30.10.2026. https://umwelt-online.de/recht/eu/08_09/09_0134r.htm
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2011): Henna-Haarfärbemittel mit p-Phenylendiamin (PPD) stellen ein Gesundheitsrisiko dar. Stellungnahme Nr. 024/2011 vom 19. Januar 2011. https://www.bfr.bund.de/cm/343/henna_haarfaerbemittel_mit_p_phenylendiamin_ppd_stellen_ein_gesundheitsrisiko_dar.pdf
- de Groot AC (2013): Side-effects of henna and semi-permanent „black henna“ tattoos: a full review. Contact Dermatitis 69(1): 1–25. https://doi.org/10.1111/cod.12074
- Thyssen JP, White JML (2008): Epidemiological data on consumer allergy to p-phenylenediamine. Contact Dermatitis 59(6): 327–343. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.2008.01427.x
- Søsted H, Agner T, Andersen KE, Menné T (2002): 55 cases of allergic reactions to hair dye: a descriptive, consumer complaint-based study. Contact Dermatitis 47(5): 299–303. https://doi.org/10.1034/j.1600-0536.2002.470508.x
- Thyssen JP, Søsted H, Uter W et al. (2012): Self-testing for contact sensitization to hair dyes – scientific considerations and clinical concerns of an industry-led screening programme. Contact Dermatitis 66(6): 300–311. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.2012.02078.x
- Chan HP, Maibach HI (2010): Hair highlights and severe acute irritant dermatitis („burn“) of the scalp. Cutaneous and Ocular Toxicology 29(4): 229–233. https://doi.org/10.3109/15569527.2010.509852
- Friis UF, Goossens A, Giménez-Arnau AM et al. (2018): Self-testing for contact allergy to hair dyes – a 5-year follow-up multicentre study. Contact Dermatitis 78(2): 131–138. https://doi.org/10.1111/cod.12882
















