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Handcreme in der Küche: Was gilt beim Umgang mit Lebensmitteln?

Kurz gesagt

Solange du mit offenen Lebensmitteln arbeitest, gehört keine frisch aufgetragene Handcreme auf die Hände; gepflegt wird vor längeren Pausen und nach der Arbeit, auf sauberer, trockener Haut. Die Hygieneverordnungen nennen Handcreme nicht ausdrücklich. Sie verlangen aber, dass nichts von den Händen das Lebensmittel nachteilig beeinflusst, auch kein Geruch. Im Betrieb entscheidet der Hautschutz- und Hygieneplan; zu Hause genügt es, vor dem Kochen die Hände zu waschen und danach einzucremen.

Was die Hygieneregeln verlangen

Die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 verlangt von allen, die in einem Bereich mit Lebensmitteln arbeiten, „ein hohes Maß an persönlicher Sauberkeit“ (VO (EG) 852/2004, Anhang II Kapitel VIII). Die deutsche Lebensmittelhygiene-Verordnung ergänzt: Lebensmittel dürfen keiner „nachteiligen Beeinflussung“ ausgesetzt werden. Dazu zählt sie unter anderem Verunreinigungen und Gerüche (LMHV §§ 2 und 3). Von Handcreme steht in beiden Texten nichts.

Ein Cremefilm auf den Händen kann aber auf Teig, Salat oder Fisch übergehen, ein Duft erst recht. Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) ordnet die Mittel deshalb zeitlich (BGN 2024):

  • Hautschutzmittel kommen vor der Tätigkeit und nach Pausen auf die Haut. Im Lebensmittelbereich dürfen sie das Produkt nicht nachteilig beeinflussen; dafür gibt es eigens ausgewiesene Mittel.
  • Hautpflegemittel kommen nach Arbeitsende und vor längeren Pausen auf die Haut. Ein Kontakt mit dem Lebensmittel ist nicht vorgesehen.
  • Für beide empfiehlt die BGN Produkte ohne Duft- und möglichst ohne Konservierungsstoffe.
  • Der Hautschutz- und Hygieneplan legt fest, wann welches Produkt benutzt wird. Die Mittel stellt der Arbeitgeber.

Auch die Technische Regel TRGS 401 sieht Pflegemittel nach der Hautreinigung in der arbeitsfreien Zeit vor, also in Pausen und am Arbeitsende. Als Schutz vor der Arbeit dürfen sie nicht dienen (AGS 2022).

Warum Küchenhände trocken werden

Der wichtigste Grund ist Wasser. Eine Übersichtsarbeit beschreibt Wasser selbst als Hautreizstoff. Als mögliche Erklärung nennt sie, dass es natürliche Feuchthaltefaktoren aus der Hornschicht löst oder verdünnt (Tsai & Maibach 1999). Die TRGS 401 spricht von Feuchtarbeit, wenn die Hände regelmäßig mehr als zwei Stunden am Arbeitstag Kontakt mit Wasser haben oder mindestens 15-mal gewaschen werden (AGS 2022). In Küchen ist das schnell erreicht. Hinzu kommen nach Angaben der BGN Reinigungsmittel, saure Lebensmittel, Fleisch, Fisch, Mehl und Gewürze (BGN 2024).

Tätigkeit Was die Haut belastet Was hilft
Gemüse und Obst waschen und schneiden Wasser, Fruchtsäuren Saft mit Wasser abspülen, das genügt oft. Gründlich abtrocknen.
Teig kneten Mehl, Teigreste, häufiges Waschen Teig trocken abreiben oder mit einem weichen Einmaltuch abwischen.
Fisch und Fleisch Waschen mit Reinigungsmittel, bei Bedarf Desinfektion Hände erst nass machen, dann das Reinigungsmittel auftragen. Greifwerkzeuge wie Gabeln und Zangen benutzen.
Spüle Wasser, Spülmittel Spülmaschine statt Handspülen, wo es geht. Sonst Handschuhe nach Plan.
Kühlhaus Kälte Handschuhe; textile Unterziehhandschuhe halten zusätzlich warm.
Einmalhandschuhe an der Ausgabe Wärme und Feuchtigkeit stauen sich So kurz wie möglich tragen und nur auf trockene Hände ziehen.

Die Angaben in der rechten Spalte stammen aus der Arbeitssicherheitsinformation der BGN (BGN 2024). Gewaschen wird, wenn die Hygiene es verlangt, aber nicht öfter. Mehr zum Abwasch steht unter Raue Hände vom Spülen und Putzen, zu Creme und Handschuh unter Handcreme unter Latex- oder Nitrilhandschuhen? Wer zusätzlich desinfizieren muss, findet die Reihenfolge unter Händedesinfektion und Handcreme: Was kommt zuerst?

Wann die Pflege in den Arbeitstag passt

  1. Vor der Schicht: keine Pflegecreme. Ein Hautschutzmittel nur, wenn der Plan es vorsieht.
  2. Während der Arbeit: nichts auftragen. Hände nach jedem Waschen gründlich abtrocknen, auch zwischen den Fingern.
  3. Vor einer längeren Pause: Hände reinigen, abtrocknen, wenig Creme verteilen. Nach der Pause werden die Hände ohnehin wieder gewaschen.
  4. Nach Feierabend: reinigen, abtrocknen, eincremen. Jetzt darf es eine reichhaltige Pflege sein.
  5. Abends: eine dickere Schicht, wenn du magst unter Baumwollhandschuhen. Wie das geht, beschreibt die Seite Handmaske über Nacht.

Die BGN rät, die Haut auch in der Freizeit zu pflegen (BGN 2024). Eine wasserfreie Creme bleibt als Film auf der Haut. Das ist nach der Schicht erwünscht und während der Arbeit der Grund, sie wegzulassen. Wie wenig davon reicht, steht unter Feste Creme richtig auftragen.

Zu Hause kochen und backen

Für den Privathaushalt nennt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit einfache Regeln. Vor dem Umgang mit Lebensmitteln werden die Hände gründlich mit warmem Wasser und Seife gewaschen und sorgfältig getrocknet. Nach rohem Fleisch oder ungeputztem Gemüse wäschst du sie sofort wieder. Nach dem Kochen folgt eine letzte Reinigung und dann eine pflegende Creme. Desinfektionsmittel hält das Amt im Privathaushalt für überflüssig (LGL 2018).

Die Reihenfolge ergibt sich daraus von selbst: Vor dem Kneten und Schneiden wird nicht eingecremt, danach schon. Wer morgens eingecremt hat, wäscht die Hände vor dem Kochen ohnehin mit Seife. Riechen die Hände nach der Arbeit noch, hilft die Seite Zwiebel, Knoblauch, Fisch: Wie geht der Geruch von den Händen?

Wann ärztlichen Rat holen?

Erste Anzeichen zeigen sich nach Angaben der BGN meist zwischen den Fingern: Die Haut ist trocken, gerötet und schuppt (BGN 2024). Bleibt das trotz Pflege bestehen oder brennt jede Händedesinfektion, lass die Hände ärztlich ansehen; im Betrieb ist der betriebsärztliche Dienst zuständig. Dahinter kann ein Handekzem stehen. Mit offenen oder nässenden Stellen an den Händen gelten im Lebensmittelbetrieb eigene Regeln; sprich mit der oder dem Vorgesetzten. Auf solche Stellen gehört keine Kosmetik.

Häufige Fragen

Ist Handcreme in der Küche verboten?
Ein ausdrückliches Verbot steht weder in der EU-Verordnung noch in der deutschen Lebensmittelhygiene-Verordnung. Beide verlangen aber, dass Lebensmittel nicht nachteilig beeinflusst werden. In Betrieben regelt deshalb der Hautschutz- und Hygieneplan, wann gepflegt wird: vor längeren Pausen und nach der Arbeit.

Kann ich eine Creme aus Olivenöl und Bienenwachs nicht einfach bei der Arbeit benutzen?
Nein. Auch eine Creme aus Rohstoffen, die man aus der Küche kennt, ist ein kosmetisches Mittel und kein Lebensmittel. Sie ist in der Regel nicht für den Kontakt mit Speisen geprüft, und ihr Film kann auf das Lebensmittel übergehen.

Darf ich vor der Arbeit eine Hautschutzcreme auftragen?
Wenn der Plan deines Betriebs sie vorsieht, ja. Hautschutzmittel sind eigene Produkte mit Wirksamkeitsnachweis; für den Lebensmittelbereich gibt es dafür ausgewiesene Mittel. Eine Pflegecreme ersetzt sie nicht.

Mit oder ohne Duft: Was passt für Küchenberufe?
Die BGN empfiehlt Pflege ohne Duftzusatz. Bei den festen Handcremes heißt das: Die Variante mit Bienenwachs enthält keinen zugesetzten Duft, die Feste Handcreme – Bergamotte duftet nach Zitrone und Bergamotte und passt eher in die Freizeit. Den Vergleich findest du unter Feste Handcreme: Bienenwachs oder Bergamotte – welche passt?

Wie lange vor dem Kochen sollte ich nicht mehr eincremen?
Eine geprüfte Zeitangabe gibt es nicht. Zu Hause wäschst du die Hände vor dem Kochen mit Seife; damit ist die Frage praktisch erledigt. Im Betrieb gilt der Plan.

Helfen Einmalhandschuhe gegen trockene Küchenhände?
Nur bedingt. Unter dichten Handschuhen stauen sich Wärme und Feuchtigkeit, und die Hornschicht quillt auf. Die BGN rät, sie so kurz wie möglich zu tragen und keine Creme darunter zu verwenden.

Bei forpeople

Unsere festen Handcremes sind Pflege für die Zeit nach der Arbeit. Sie sind keine Hautschutzmittel und nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln geprüft. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) besteht laut Inhaltsstoffliste aus Bienenwachs, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt. Sie enthält kein Wasser und keinen zugesetzten Duft; sie riecht leicht nach Bienenwachs. Ist die Metalldose leer, füllst du sie mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs (30 g, 7,90 €) nach. Das Handpflege-Set – gegen raue, rissige Hände (2× feste Handcreme) (60 g, 16,90 €) enthält eine Dose und einen Refiller zum Nachfüllen. Die weichere Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) enthält Lärchenharz, Propolis und ätherische Öle und duftet deutlich; sie passt nur für den Abend zu Hause. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung. Mehr dazu: Rissige Hände vom Waschen · Ohne Duft und ätherische Öle · Trockene Hände trotz Eincremen

Aus dem Blog: Weniger im Bad: eine Pflegeroutine mit drei Produkten

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 852/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 über Lebensmittelhygiene, Anhang II Kapitel VIII (Persönliche Hygiene). Konsolidierte Fassung vom 24.03.2021. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02004R0852-20210324
  2. Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Juni 2016 (BGBl. I S. 1469), zuletzt geändert durch Artikel 3 der Verordnung vom 20. Juni 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 159), §§ 2 und 3. https://www.gesetze-im-internet.de/lmhv_2007/
  3. Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) (2024): Hautschutz im Betrieb. Arbeitssicherheitsinformation (ASI) 8.60, Ausgabe 11.24. https://vorschriften.bgn-branchenwissen.de/daten/asi/a8_60/titel.htm
  4. Ausschuss für Gefahrstoffe (2022): TRGS 401 Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen. Ausgabe Oktober 2022, GMBl 2022 S. 895–926 (Nr. 40), zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769 (Nr. 36). https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-401.pdf?__blob=publicationFile
  5. Höller C, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (2018): Händehygiene im Lebensmittelbereich. Aktualisiert am 02.11.2018. https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/hygiene/hygienischer_umgang/et_haendehygiene.htm
  6. Tsai TF, Maibach HI (1999): How irritant is water? An overview. Contact Dermatitis 41(6): 311–314. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1999.tb06990.x