Was im Beckenwasser ist
Wasser in öffentlichen Schwimmbecken muss aufbereitet und dabei desinfiziert werden; das verlangt § 37 Absatz 2 des Infektionsschutzgesetzes. Die Technik beschreibt die Normenreihe DIN 19643 „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“. Die Werte, an denen sich Betreiber und Gesundheitsämter orientieren, nennt eine Empfehlung des Umweltbundesamts (UBA 2026):
| Messgröße | Wert laut UBA-Empfehlung | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Freies Chlor | 0,30 bis 0,60 mg/l, in Warmsprudelbecken 0,70 bis 1,0 mg/l | das Desinfektionsmittel; es liegt als hypochlorige Säure und Hypochlorit vor |
| Gebundenes Chlor | oberer Wert 0,20 mg/l | Chloramine und verwandte Verbindungen aus Chlor und stickstoffhaltigen Stoffen, die Badegäste ins Wasser bringen |
| pH-Wert | 6,5 bis 7,2, je nach Aufbereitung bis 7,5, in Meerwasserbecken bis 7,8 | nahe am Neutralpunkt; laut Empfehlung auch für die Hautverträglichkeit von Bedeutung |
Der Chlorwert kann vorübergehend bis auf 1,2 mg/l angehoben werden, wenn die mikrobiologischen Anforderungen anders nicht einzuhalten sind. Für den typischen Hallenbadgeruch sorgt Trichloramin, das zum gebundenen Chlor zählt; es reizt Augen, Nase, Rachen und Bronchien (UBA 2026).
Was beim Schwimmen mit der Haut passiert
Zwei Studien haben vorher und nachher gemessen:
- Neun Frauen mit gesunder Haut schwammen eine Stunde in einem öffentlichen Becken. Danach war die Hautoberfläche an Gesicht und Körper weniger feucht, sie trug weniger Talg, und ihr pH-Wert war höher. Am nächsten Tag lagen die Werte wieder auf dem Ausgangsniveau (Gardinier et al. 2009).
- Bei 33 Leistungsschwimmer:innen zwischen 12 und 21 Jahren war der Wasserverlust über die Haut nach zwei Stunden Training an Unterarm, Ellenbeuge und Handrücken erhöht, auch noch eine halbe Stunde später. In der Vergleichsgruppe aus 25 Fußballspielern stieg er nur am Handrücken. Auf Freizeitschwimmer lässt sich das laut den Autor:innen nicht ohne Weiteres übertragen (Paciência et al. 2021).
Dazu kommt Harnstoff, laut Umweltbundesamt eine wichtige Feuchthaltesubstanz der Haut: Die Hornschicht enthält etwa 8 Mikrogramm je Quadratzentimeter. In einer Beispielrechnung nimmt das Amt an, dass er beim Baden vollständig ausgespült wird, bei rund zwei Quadratmetern Haut etwa 0,16 Gramm je Badegast (UBA 2026). Mehr zu solchen Stoffen: Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien.
Chlor oder Wasser: Was trocknet die Haut aus?
Das Chlor: In einem Versuch hielten zehn hautgesunde Personen den Unterarm zehn Minuten in 40 °C warmes Wasser mit unterschiedlich viel freiem Chlor. Das Wasserhaltevermögen der Hornschicht sank bei ihnen erst bei 2,0 mg/l messbar, nicht bei 0,5 oder 1,0 mg/l (Seki et al. 2003). Der übliche Bereich im Schwimmbecken liegt darunter. Eine Stunde Schwimmen bildet der kurze Versuch allerdings nicht ab.
Das Wasser: Auch Wasser ohne Chlor kann wasserbindende Stoffe aus der Hornschicht lösen, und warmes Wasser belastet sie stärker als kühles. Die Studien dazu stehen unter Fußbad vor dem Eincremen: sinnvoll oder nicht?
Der pH-Wert: Die Hautoberfläche ist leicht sauer, Beckenwasser liegt nahe am Neutralpunkt. Schon Leitungswasser kann den pH-Wert der Haut für einige Stunden anheben, siehe Die Hautbarriere einfach erklärt.
Vorher: duschen ja, eincremen nein
Durch gründliches Duschen lässt sich der Harnstoff fast vollständig aus der Haut entfernen; im Becken bildet sich dann weniger gebundenes Chlor (UBA 2026). Die Dusche vorher verbessert also das Wasser für alle.
Körperöl, Lotion oder Butter trägst du vor dem Schwimmen nicht auf: Was auf der Haut liegt, gelangt zum Teil ins Wasser, und in vielen Bädern ist Eincremen vor dem Schwimmen nicht erwünscht. Dass ein Cremefilm die Haut vor Chlorwasser schützt, ist nicht belegt.
Die Ausnahme ist Sonnenschutz im Freibad. Die EU-Kommission empfiehlt, Sonnenschutzmittel vor dem Aufenthalt in der Sonne aufzutragen und mehrfach anzuwenden, besonders nach dem Schwimmen und Abtrocknen (Empfehlung 2006/647/EG). Das gilt auch für die Feste Sonnencreme LSF50, die mineralisch und wasserfest getestet ist. Mehr dazu: LSF, UVA-Schutz und wasserfest: Was die Angaben bedeuten.
Nachher: abduschen, abtupfen, eincremen
- Gleich abduschen. Lauwarm und gründlich, damit kein Beckenwasser auf der Haut antrocknet.
- Abtupfen. Tupfen statt rubbeln; zwischen den Zehen gründlich.
- Eincremen. Innerhalb weniger Minuten, solange die Haut noch leicht feucht ist. Ein Film aus Ölen, Buttern oder Wachsen bringt selbst kein Wasser mit; er hält zurück, was in der Hornschicht ist, siehe Okklusion und TEWL.
- Trockene Stellen zuerst. Schienbeine, Unterarme, Hände, Lippen und Fersen. Für die Fersen eignet sich abends die Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei; sie enthält ätherische Öle. Mehr unter Warum werden die Fersen im Sommer rissig?
Das wasserhaltige Aloe Vera Serum 99,6% bringt Feuchtigkeit auf die Haut; darüber kommt ein Öl oder eine Butter, damit sie nicht gleich wieder verdunstet, siehe Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren. Für große Flächen eignet sich das Körperöl - Lemongrass mit ätherischem Lemongrasöl, für sehr trockene Stellen die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, laut INCI ohne ätherische Öle.
Haare nach dem Chlorwasser
Von 67 Mitgliedern der japanischen Schwimm-Nationalmannschaft hatten 61 % aufgehelltes Haar, in der Vergleichsgruppe niemand. Den untersuchten aufgehellten Haaren fehlte die Cuticula, die äußere Schicht. Die Forschenden führen das vor allem auf die Reibung im Wasser zurück; danach könne hypochlorige Säure eindringen und Pigment oxidieren (Nanko et al. 2000). Für Freizeitschwimmer fehlen vergleichbare Daten.
Üblich ist: Haare nach dem Schwimmen mit klarem Wasser ausspülen und waschen, bei häufigem Training eine Badekappe tragen. Ein bis zwei Tropfen Öl in den Spitzen, etwa Jojobaöl – kaltgepresst, geben Glanz und machen das Haar leichter kämmbar. Mehr unter Pflegeöl für die Haarspitzen: welches, wie viel?
Wann ärztlichen Rat holen?
Kosmetik pflegt die Haut, sie behandelt keine Erkrankungen. Lass es ärztlich abklären, wenn die Haut nach dem Schwimmen regelmäßig stark juckt, brennt, Quaddeln oder Ausschlag bildet, wenn gerötete oder schuppende Stellen über Tage bleiben oder wenn Augen und Atemwege im Hallenbad stark reagieren. Wer Neurodermitis hat, bespricht das Schwimmen am besten mit der Hautarztpraxis: Im genannten Versuch sank das Wasserhaltevermögen der Hornschicht bei Betroffenen schon ab 0,5 mg/l freiem Chlor (Seki et al. 2003).
Das sagen Kund:innen
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Häufige Fragen
Ist Chlorwasser schlecht für die Haut?
Für gesunde Haut ist ein Schwimmbadbesuch nach den vorliegenden Messungen eine vorübergehende Belastung: Feuchte, Talg und pH-Wert waren am nächsten Tag wieder wie vorher. Wer oft und lange im Becken ist, duscht jedes Mal ab und cremt sich ein.
Soll ich mich vor dem Schwimmen eincremen?
Nein. Dass ein Cremefilm vor Chlorwasser schützt, ist nicht belegt. Die Ausnahme ist Sonnenschutz im Freibad.
Warum riecht es im Hallenbad nach Chlor?
Für den Geruch sorgt laut Umweltbundesamt Trichloramin. Es entsteht unter anderem, wenn Chlor mit Harnstoff aus Schweiß, Urin und Haut reagiert. Je gründlicher alle vorher duschen, desto weniger bildet sich.
Aloe-Vera-Serum, Öl oder Butter: Was nehme ich nach dem Schwimmen?
Das Serum enthält Wasser und kommt zuerst auf die Haut; Öl oder Butter legen einen Film darüber. In Bewertungen beschreiben Kund:innen das Serum als erfrischend und kombinieren es mit einigen Tropfen Öl.
Wird die feste Körperbutter in der Schwimmtasche weich?
Im Sommer kann sie das; auch Bewertungen beschreiben es. Leg die Dose in den Schatten. An einem kühlen Ort wird sie wieder fest. Mehr unter Feste Kosmetik lagern: Hitze, Sommer und Winter.
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Mehr dazu: Eincremen vor oder nach der Sauna? · Wie bekomme ich mineralische Sonnencreme wieder ab? · Körperöl oder Körperbutter – was passt wann?
Aus dem Blog: Aloe Vera Serum: Wofür es wirklich gut ist – und was es nicht kann · Sonnencreme ohne chemische Filter – was du wissen solltest
Quellen
- Umweltbundesamt (2026): Hygieneanforderungen an Bäder und deren Überwachung. Empfehlung des Umweltbundesamtes (UBA) nach Anhörung der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) beim Umweltbundesamt. Bundesgesundheitsbl 69: 954–978. https://doi.org/10.1007/s00103-026-04249-z
- Gardinier S, Guéhenneux S, Latreille J, Guinot C, Tschachler E (2009): Variations of skin biophysical properties after recreational swimming. Skin Res Technol 15(4): 427–432. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2009.00382.x
- Paciência I, Rodolfo A, Leão L, Silva D, Cavaleiro Rufo J, Mendes F et al. (2021): Effects of Exercise on the Skin Epithelial Barrier of Young Elite Athletes-Swimming Comparatively to Non-Water Sports Training Session. Int J Environ Res Public Health 18(2): 653. https://doi.org/10.3390/ijerph18020653
- Seki T, Morimatsu S, Nagahori H, Morohashi M (2003): Free residual chlorine in bathing water reduces the water-holding capacity of the stratum corneum in atopic skin. J Dermatol 30(3): 196–202. https://doi.org/10.1111/j.1346-8138.2003.tb00371.x
- Nanko H, Mutoh Y, Atsumi R, Kobayashi Y, Ikeda M, Yoshikawa N et al. (2000): Hair-discoloration of Japanese elite swimmers. J Dermatol 27(10): 625–634. https://doi.org/10.1111/j.1346-8138.2000.tb02243.x
- Europäische Kommission (2006): Empfehlung 2006/647/EG vom 22. September 2006 über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben. ABl. L 265: 39–43. https://eur-lex.europa.eu/eli/reco/2006/647/oj























