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Reibeisenhaut im Winter: warum sie schlimmer wird und was hilft

Kurz gesagt

Reibeisenhaut (Keratosis pilaris) zeigt sich als kleine, raue Knötchen an Oberarmen, Oberschenkeln oder Po, und bei vielen Betroffenen wird sie im Winter deutlicher, weil die Haut in kalter, trockener Luft austrocknet. Was du tun kannst: kurz und lauwarm duschen und ohne Schrubben reinigen; direkt nach dem Abtrocknen jeden Tag eine fetthaltige Pflege auftragen; und wer die Knötchen glätten möchte, fragt in der Apotheke nach einer Creme mit Urea oder Milchsäure und gibt ihr einige Wochen. Reibeisenhaut ist harmlos und nicht ansteckend, sie lässt sich aber nicht dauerhaft wegpflegen; oft wird sie im Erwachsenenalter schwächer.

Das Problem: raue Knötchen an Armen und Beinen

Reibeisenhaut fühlt sich an wie feines Schleifpapier. An der Außenseite der Oberarme, an den Oberschenkeln oder am Po sitzen viele kleine, harte Knötchen, jedes an einer Haaröffnung. Sie können hautfarben sein, auf heller Haut rötlich und auf dunkler Haut dunkler; die Haut wirkt dazu trocken und juckt manchmal (NHS). In einer Befragung von Betroffenen lagen die Knötchen bei 92 Prozent an den Armen, bei 59 Prozent an den Beinen, bei 41 Prozent im Gesicht und bei 30 Prozent am Po (Poskitt & Wilkinson 1994).

Sie ist sehr häufig: Nach einer dermatologischen Fachseite betrifft sie 50 bis 70 Prozent der Jugendlichen und etwa 40 Prozent der Erwachsenen (DermNet 2022). Sie ist harmlos und nicht ansteckend (NHS). Meist beginnt sie früh: In der Befragung zeigte sie sich bei 51 Prozent im ersten und bei 35 Prozent im zweiten Lebensjahrzehnt (Poskitt & Wilkinson 1994). Mit trockener Haut allein ist sie nicht gleichzusetzen: Trockene Haut ist flächig rau und schuppig, Reibeisenhaut sitzt punktförmig an den Haaröffnungen, oft auch dort, wo die Haut sonst gut gepflegt ist. Im Herbst fällt sie vielen wieder auf: Der Pullover reibt, die Haut spannt nach dem heißen Duschen, und die Knötchen sind plötzlich deutlicher zu spüren. Von 49 befragten Betroffenen bemerkten 80 Prozent jahreszeitliche Schwankungen; knapp die Hälfte von ihnen wurde im Sommer besser, ebenso viele im Winter schlechter (Poskitt & Wilkinson 1994).

Warum das im Herbst und Winter passiert

Bei Reibeisenhaut verhornt der obere Teil der Haarbalgöffnung zu stark. Die Hornzellen schuppen nicht ab, sondern füllen die Öffnung als kleiner Pfropf (DermNet 2022). Die Neigung dazu wird vermutlich vererbt und hängt mit Veränderungen im Gen für Filaggrin zusammen, einem Eiweiß, das die Hautbarriere mitbildet (DermNet 2022). In einer feingeweblichen Untersuchung an 20 Betroffenen trugen 35 Prozent eine solche Filaggrin-Veränderung; in den Knötchen fehlten die Talgdrüsen, und die Barriere der Hornschicht war dort gestört (Gruber et al. 2015).

Genau diese gestörte, trockene Hornschicht reagiert auf den Winter. Niedrige Luftfeuchte und Kälte schwächen nach einer Übersichtsarbeit die Barrierefunktion der Haut und machen sie empfindlicher gegenüber Reizen (Engebretsen et al. 2016). Die Fachseite führt das stärkere Hervortreten im Winter auf die trockenere Luft zurück (DermNet 2022). Dazu kommen Gewohnheiten der kalten Jahreszeit: länger und heißer duschen, reibende Kleidung, trockene Heizungsluft. Was Raumluft mit der Haut macht, steht unter Luftfeuchtigkeit und Haut: was trockene Heizungsluft bewirkt und was hilft.

Die Lösung Schritt für Schritt

Schritt Was du tust Warum
Sofort: Duschen umstellen kurz und lauwarm statt heiß duschen oder baden Heißes Wasser trocknet die Haut zusätzlich aus (NHS)
Sofort: ohne Schrubben reinigen unparfümierte Waschprodukte; die Stellen mit einem Waschlappen behutsam abwaschen Grobe Peelings können Reibeisenhaut verschlimmern (NHS)
Jeden Tag: eincremen direkt nach dem Abtrocknen eine fetthaltige Pflege auf die noch leicht feuchte Haut, etwa die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera oder Mandelöl – kaltgepresst Regelmäßiges Eincremen gehört zu den Grundempfehlungen (NHS); der Fettfilm bremst die Verdunstung; die Knötchen verschwinden dadurch nicht
Nach einigen Wochen: Wirkstoffcreme in der Apotheke nach einer Creme mit Urea, Milchsäure oder Salicylsäure fragen und sie regelmäßig verwenden Diese Stoffe lockern die Hornpfropfen; sie gelten als erste Wahl, die Studien sind aber klein (Dampa 2025)
Vorbeugen: Kleidung unter Wolle eine glatte Schicht tragen, eng scheuernde Ärmel meiden Reibung reizt die Haut zusätzlich
Vorbeugen: Raumluft Räume nicht überheizen, regelmäßig stoßlüften Trockene Luft verstärkt die Trockenheit der Haut (Engebretsen et al. 2016)

Was realistisch ist: Die Haut wird mit dieser Routine geschmeidiger, und mit einer Wirkstoffcreme werden die Knötchen oft flacher. Ganz verschwinden sie selten, und nach dem Absetzen können sie wiederkommen. Eine Übersicht der Studien zu Urea und Säuren bemängelt kleine Gruppen, kurze Beobachtungszeiten und kaum Daten zur Anwendung über Monate (Dampa 2025). Plane die Pflege deshalb als Gewohnheit für die kalte Jahreszeit ein, nicht als Kur. Wie schnell du nach dem Duschen eincremen solltest, steht unter Wie schnell nach dem Duschen eincremen? Die 3-Minuten-Regel; ob Öl oder Butter besser zu dir passt, unter Körperöl oder Körperbutter – was passt wann? Wenn Wolle auf der Haut kratzt, hilft Wolle kratzt auf der Haut: warum, und was hilft.

Was hilft – und was eher nicht

Maßnahme Was dahintersteckt Einordnung
Fetthaltige Pflege bremst die Verdunstung, macht die Haut zwischen den Knötchen geschmeidig hilft gegen die Trockenheit; die Knötchen bleiben
Creme mit Urea, Milchsäure, Glykolsäure oder Salicylsäure lösen Hornpfropfen und lockern den Zusammenhalt der Hornzellen vernünftige erste Wahl, Studien klein und kurz (Dampa 2025); Milch- und Glykolsäure wurden am häufigsten untersucht (Beyron 2025)
Waschlappen, behutsam nimmt lose Schuppen mit in Ordnung (NHS)
Grobe Peelings, Bürsten, Schwämme mit Druck reiben die Haut auf, die Pfropfen sitzen tiefer eher nicht; können verschlimmern (NHS)
Kratzen, Ausdrücken verletzt die Haaröffnungen nicht (NHS)
Heiß baden oder duschen löst Hautfette, trocknet aus nicht (NHS)
Laser- und Lichtbehandlung vor allem gegen Rötung ärztliche Behandlung; keine Kosmetik (Beyron 2025)

Ein Wort zur Butter: Feste Körperbutter enthält viel Kakaobutter, die in den alten Komedogenitätstabellen weit oben steht. Ob das für Reibeisenhaut eine Rolle spielt, ist nicht untersucht; die Einordnung der Tabellen steht unter Komedogene Öle: woher die Skala kommt und was sie taugt. Wer an diesen Stellen zu Pickeln neigt, nimmt eher ein leichtes Öl. Ein selbst gemachtes Zuckerpeeling ist für Reibeisenhaut eher zu grob; wenn überhaupt, dann selten und ohne Druck, siehe Körperpeeling aus Öl und Zucker selber machen.

Typische Fehler

  • Schrubben, bis die Haut glatt ist. Danach ist sie gerötet, die Knötchen sind am nächsten Tag wieder da.
  • Nur im Sommer pflegen. Gerade in der Heizperiode braucht die Haut die tägliche Pflege.
  • Zu früh aufgeben. Cremes mit Urea oder Säuren brauchen Wochen; danach hält nur regelmäßige Anwendung den Zustand.
  • Mehrere Säureprodukte gleichzeitig. Das reizt eher, als dass es mehr bringt. Ein Produkt, regelmäßig, reicht.
  • Ausdrücken der Knötchen. Das verletzt die Haaröffnungen und hinterlässt Rötungen.
  • Parfümierte Duschbäder und Badezusätze. Sie können die Haut zusätzlich austrocknen (NHS).

Wann ärztlichen Rat holen?

Ob es Reibeisenhaut ist, klärt die Hausarzt- oder Hautarztpraxis; ähnlich aussehen können zum Beispiel entzündete Haarbälge nach der Rasur. Lass die Haut ärztlich ansehen, wenn

  • die Knötchen stark gerötet, eitrig oder schmerzhaft sind,
  • die Haut stark juckt oder entzündet wirkt, obwohl du sie pflegst (NHS),
  • im Gesicht oder an den Augenbrauen Rötung, kleine Narben oder Haarverlust auftreten; es gibt seltene Unterformen, bei denen Narben bleiben können (DermNet 2022), (Wang & Orlow 2018),
  • die Knötchen im Erwachsenenalter plötzlich neu und ausgedehnt auftreten oder mit einem neuen Medikament begonnen haben; auch Arzneimittel können solche Hautveränderungen auslösen (Wang & Orlow 2018),
  • gleichzeitig Neurodermitis oder sehr trockene, schuppende Haut am ganzen Körper besteht.

Rezeptpflichtige Cremes, Lichttherapie oder Laser sind ärztliche Behandlungen. Bei Kindern bespricht du Cremes mit Säuren oder hoch dosiertem Urea vorher in der Kinderarztpraxis oder Apotheke.

Häufige Fragen

Ist Reibeisenhaut ansteckend?
Nein. Reibeisenhaut ist eine harmlose Verhornungsstörung der Haaröffnungen und lässt sich nicht übertragen.

Warum ist Reibeisenhaut im Winter schlimmer?
Die Luft ist kalt und trocken, die Hautbarriere wird schwächer, und heißes Duschen trocknet zusätzlich aus. In einer Befragung bemerkten 80 Prozent jahreszeitliche Schwankungen, knapp die Hälfte davon eine Verschlechterung im Winter.

Geht Reibeisenhaut wieder weg?
Dauerhaft beseitigen lässt sie sich nicht, oft wird sie im Erwachsenenalter aber schwächer. In der Befragung hatte sie sich bei 35 Prozent mit den Jahren gebessert, bei 43 Prozent nicht verändert und bei 22 Prozent verschlechtert.

Hilft ein Peeling gegen Reibeisenhaut?
Behutsames Abwaschen mit dem Waschlappen ist in Ordnung, grobe Peelings können sie verschlimmern. Wirksamer sind Cremes, die die Hornpfropfen chemisch lockern, etwa mit Urea oder Milchsäure.

Welche Creme hilft bei Reibeisenhaut?
Für die Trockenheit eine fetthaltige Pflege, täglich nach dem Duschen. Für die Knötchen Cremes mit Urea, Milch-, Glykol- oder Salicylsäure aus der Apotheke; die Studien dazu sind klein, regelmäßige Anwendung über Wochen ist entscheidend.

Ist Reibeisenhaut erblich?
Häufig ja. In der Befragung hatten 39 Prozent Familienangehörige mit Reibeisenhaut, und sie hängt mit Veränderungen im Filaggrin-Gen zusammen, das die Hautbarriere mitbildet.

Kann ich die Knötchen ausdrücken?
Besser nicht. Das verletzt die Haaröffnungen und hinterlässt Rötungen.

Bei forpeople

Wir haben keine Produkte mit Urea oder Säuren, die Hornpfropfen lösen. Für die tägliche Pflege der trockenen Haut drumherum passen:

Die Produkte pflegen die trockene Haut, sie verändern die Knötchen nicht. Neues zuerst an einer kleinen Stelle testen: Neue Pflege ausprobieren: Wie teste ich an einer kleinen Stelle?

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Quellen

  1. Winter S, Motley R (2022): Keratosis pilaris. DermNet, März 2022, abgerufen am 29.10.2026. https://dermnetnz.org/topics/keratosis-pilaris
  2. NHS: Keratosis pilaris. Zuletzt geprüft am 04.07.2024, abgerufen am 29.10.2026. https://www.nhs.uk/conditions/keratosis-pilaris/
  3. Poskitt L, Wilkinson JD (1994): Natural history of keratosis pilaris. British Journal of Dermatology 130(6): 711–713. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.1994.tb03406.x
  4. Gruber R, Sugarman JL, Crumrine D, Hupe M, Mauro TM, Mauldin EA et al. (2015): Sebaceous gland, hair shaft, and epidermal barrier abnormalities in keratosis pilaris with and without filaggrin deficiency. American Journal of Pathology 185(4): 1012–1021. https://doi.org/10.1016/j.ajpath.2014.12.012
  5. Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301
  6. Dampa E (2025): The Effectiveness of Topical Keratolytics (Alpha Hydroxy Acids/Beta Hydroxy Acids/Urea) in Treating Keratosis Pilaris: A Review of the Literature. Cureus 17(12): e100507. https://doi.org/10.7759/cureus.100507
  7. Beyron A (2025): Keratosis pilaris: a systematic review of the literature and strategies for optimal treatment. European Journal of Dermatology 35(5): 387–393. https://doi.org/10.1684/ejd.2025.4951
  8. Wang JF, Orlow SJ (2018): Keratosis Pilaris and its Subtypes: Associations, New Molecular and Pharmacologic Etiologies, and Therapeutic Options. American Journal of Clinical Dermatology 19(5): 733–757. https://doi.org/10.1007/s40257-018-0368-3