Was sich mit den Jahren ändert und was nicht
Talg: Bei Männern ändert sich die Talgabgabe bis etwa zum 80. Lebensjahr kaum, bei Frauen sinkt sie nach der Menopause allmählich (Pochi et al. 1979). In einer Messreihe an 150 gesunden Frauen zwischen 18 und 80 Jahren nahm die Talgmenge an Wange, Hals, Dekolleté, Unterarm und Handrücken mit dem Alter deutlich ab und war bei den über 70-Jährigen am niedrigsten (Luebberding et al. 2013).
Fette der Hornschicht: An Gesicht, Hand und Bein von Frauen verschiedener Altersgruppen fand eine Untersuchung mit zunehmendem Alter deutlich weniger von allen wichtigen Fettarten der Hornschicht, besonders von Ceramiden. Im Winter lagen die Werte noch einmal niedriger (Rogers et al. 1996).
Was sich kaum ändert: In der Messreihe an 150 Frauen hingen der Wassergehalt der Hornschicht und der Wasserverlust über die Haut nur schwach mit dem Alter zusammen (Luebberding et al. 2013). Älterer Haut fehlt also vor allem Fett. Wie langsam sie sich nach einer Störung ihrer Barriere erholt, zeigen die Messungen unter Warum werden Hände im Alter trockener?
Trockene Haut ist im Alter häufig, nach einer Übersichtsarbeit aber kein normaler Teil des Alterns. Zu den Veränderungen in der Haut kommt oft viel Heizungs- oder Klimaluft (White-Chu & Reddy 2011). Was die Hormonumstellung bei Frauen beiträgt, steht unter Trockene Haut in den Wechseljahren: Was ändert sich?
Wo am Körper es am häufigsten auftritt
In einer Erhebung in 14 Pflegeheimen und 6 Krankenhäusern in Deutschland mit 1.710 Menschen hatte knapp die Hälfte trockene Haut (48,8 Prozent), am häufigsten an Füßen und Beinen (42,9 Prozent) (Lichterfeld et al. 2016). Das gilt für Menschen in Pflegeheimen und Kliniken, nicht für alle Älteren.
Am Unterschenkel bildet die Haut ohnehin nur wenig Talg; die Messwerte stehen unter Warum sind die Schienbeine im Winter trocken und schuppig? Für Rücken und Flanken haben wir keine Messreihen gefunden; dort kommt man schlecht hin und lässt beim Eincremen leicht etwas aus.
Was sich ändert und was das für die Pflege heißt
| Was sich ändert | Was das für die Pflege heißt |
|---|---|
| Weniger Talg auf der Hautoberfläche | Fett von außen zuführen: Öl oder eine fetthaltige Pflege nach dem Duschen |
| Weniger Fette in der Hornschicht, im Winter noch weniger | In der Heizperiode reichhaltiger pflegen; Räume nicht überheizen |
| Die Barriere der Haut lässt sich leichter stören | Kurz und lauwarm duschen; Seife nur dort, wo sie nötig ist |
| Rücken, Unterschenkel und Füße sind schwerer zu erreichen | Im Sitzen pflegen; Eincremehilfe mit langem Stiel; Hilfe annehmen |
| Stürze haben im Alter oft schwerere Folgen | Öl erst nach dem Aussteigen auftragen, auf einer rutschfesten Unterlage |
Die ersten drei Zeilen nach den Quellen 1, 2, 3 und 5; alles Übrige ist übliche Pflegepraxis.
Eine Routine, bei der nichts rutscht
- Kurz und lauwarm duschen. Seife brauchen Achseln, Leiste und Füße; an Armen und Beinen reicht meist Wasser. Das ist gängige Praxis, keine gemessene Regel.
- Aussteigen, dann erst pflegen. Trag Öl nicht in der Dusche oder in der Wanne auf, und gib es nicht ins Badewasser, wenn du unsicher auf den Beinen bist. Schon wenige Tropfen machen den Boden glatt, auch für die nächste Person.
- Abtupfen und hinsetzen. Die Haut darf noch leicht feucht sein. Setz dich auf einen stabilen Stuhl; unter den Füßen liegt eine rutschfeste Matte oder ein Handtuch.
- Öl in die Hand geben, nicht auf die Haut gießen. So tropft nichts.
- Fußsohlen zuletzt und nur im Sitzen. Zieh Socken oder Hausschuhe an, bevor du aufstehst.
- Hände abwischen, bevor du nach Haltegriff, Gehstock oder Rollator greifst. Tropfen auf dem Boden wischst du gleich mit etwas Spülmittel auf.
Einmal täglich ist ein guter Anfang; an den Schienbeinen darf es abends ein zweites Mal sein.
Öl, Butter oder beides, und was ist mit Urea?
Öl verteilt sich schnell auf großen Flächen. Eine feste Butter hinterlässt den spürbareren Film und passt für kleine, sehr trockene Stellen. Den Vergleich zeigt Körperöl oder Körperbutter – was passt wann?
Beide enthalten kein Wasser und keine Feuchthaltemittel. Ein Positionspapier deutscher Hautärztinnen und Hautärzte hält fest: Pflege für trockene Haut soll Wasser bindende und rückfettende Bestandteile enthalten, und je trockener die Haut ist, desto höher soll der Fettanteil sein, am besten als Wasser-in-Öl-Creme. Mit Abstand am besten belegt ist nach diesem Papier Urea (Augustin et al. 2019). Öl und Butter decken also nur die fettende Seite ab. Wie sich beides ergänzt, steht unter Urea oder wasserfreie Creme? Raue Fersen und trockene Hände.
Die Übersichtsarbeit zu trockener Haut im Alter rät, auf bekannte Kontaktallergene in Pflegeprodukten zu achten, etwa Wollwachs (Lanolin), Aloe vera und Parabene (White-Chu & Reddy 2011). Auch ätherische Öle können Reaktionen auslösen. Den Test vorab beschreibt Neue Pflege ausprobieren: Wie teste ich an einer kleinen Stelle?
Wenn jemand anderes eincremt
In der Erhebung aus Pflegeheimen und Kliniken hatten Menschen, die ihre Haut selbst pflegen konnten, seltener trockene Haut als jene, die Hilfe brauchten (Lichterfeld et al. 2016). Wenn du Angehörige eincremst: Die Person sitzt sicher, du wärmst das Öl kurz in deinen Händen an und siehst dir die Haut dabei an. Auffälliges zeigst du der Hausarztpraxis oder dem Pflegedienst.
Wann ärztlichen Rat holen?
Kosmetik pflegt intakte Haut, sie behandelt keine Erkrankungen. Lass die Haut ärztlich ansehen, wenn
- sie stark oder anhaltend juckt, vor allem nachts; Juckreiz im Alter hat viele mögliche Ursachen;
- sie netzartig einreißt, gerötet ist oder nässt; in der Praxis ist dann oft von einem Austrocknungsekzem die Rede;
- sie sehr dünn ist und schon bei leichtem Anstoßen einreißt, oder Stellen bluten und nicht zugehen;
- die Trockenheit plötzlich auftritt oder mit einem neuen Medikament begonnen hat. Setz nichts eigenmächtig ab;
- ein Bein anschwillt oder sich verfärbt, oder neue Flecken und andere Hautveränderungen auftreten;
- sich nach einigen Wochen regelmäßiger Pflege nichts ändert.
Bei Diabetes lässt du Unterschenkel und Füße regelmäßig ärztlich oder podologisch ansehen. Auf offene oder gereizte Haut trägst du keine Pflegeprodukte auf.
Häufige Fragen
Kann ich das Öl schon in der Dusche auftragen?
Besser nicht. Öl macht Duschwanne und Fliesen glatt. Steig erst aus, setz dich, und trag das Öl dann auf die noch leicht feuchte Haut auf.
Wie komme ich an Rücken und Unterschenkel, wenn ich mich schlecht bücken kann?
Die Unterschenkel erreichst du im Sitzen, mit dem Fuß auf einem niedrigen Hocker. Für den Rücken gibt es im Sanitätshaus Eincremehilfen mit langem Stiel; ein Öl lässt sich damit leichter verteilen als eine feste Butter.
Reicht Öl, oder brauche ich eine Creme mit Urea?
Das sind zwei Aufgaben. Öl und Butter führen Fett zu und bremsen die Verdunstung. Urea bindet Wasser in der Hornschicht und ist gut untersucht. Fühlt sich die Haut mit Öl geschmeidig an, genügt das. Bleibt sie rau und schuppig, kann eine Urea-Lotion darunter sinnvoll sein.
Ist die feste Körperbutter für steife Finger zu hart?
Sie ist bei Raumtemperatur fest und wird durch Körperwärme weich. Streich das Stück nach dem Duschen direkt über die warme, noch leicht feuchte Haut. Ohne Druck geht es mit einem Öl.
Riechen Öl und Butter?
Das Körperöl Lemongrass enthält ätherisches Lemongrassöl. Mandelöl und Körperbutter enthalten laut Liste keine zugesetzten ätherischen Öle. Die Butter riecht nach Bienenwachs.
Bei forpeople
- Körperöl - Lemongrass, 100 ml, 16,90 €: Sesam-, Distel-, Sanddornkern- und Sonnenblumenöl mit Kurkuma-Extrakt und ätherischem Lemongrassöl.
- Körperöl - Lemongrass groß, 250 ml, 34,90 €: dieselbe Rezeptur in der größeren Flasche.
- Mandelöl – kaltgepresst, 100 ml, 14,90 €: ein einzelnes Öl, laut Inhaltsstoffliste ohne Duftzusatz.
- Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €: wasserfrei, aus Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl, Sheabutter und Aloe-vera-Blattextrakt; für Schienbeine und Ellenbogen.
Die Öle sind in Glasflaschen abgefüllt; fass die Flasche nicht mit öligen Händen an. Wende die Produkte nicht auf verletzter oder gereizter Haut an.
Mehr dazu: Warum werden die Füße im Alter trockener? · Wie schnell nach dem Duschen eincremen? Die 3-Minuten-Regel · Muss ich mich beim Duschen am ganzen Körper einseifen? · Kompressionsstrümpfe: Wann creme ich Beine und Füße ein?
Aus dem Blog: Weniger im Bad: eine Pflegeroutine mit drei Produkten
Quellen
- Pochi PE, Strauss JS, Downing DT (1979): Age-related changes in sebaceous gland activity. Journal of Investigative Dermatology 73(1): 108–111. https://doi.org/10.1111/1523-1747.ep12532792
- Luebberding S, Krueger N, Kerscher M (2013): Age-related changes in skin barrier function – quantitative evaluation of 150 female subjects. International Journal of Cosmetic Science 35(2): 183–190. https://doi.org/10.1111/ics.12024
- Rogers J, Harding C, Mayo A, Banks J, Rawlings A (1996): Stratum corneum lipids: the effect of ageing and the seasons. Archives of Dermatological Research 288(12): 765–770. https://doi.org/10.1007/BF02505294
- Lichterfeld A, Lahmann N, Blume-Peytavi U, Kottner J (2016): Dry skin in nursing care receivers: A multi-centre cross-sectional prevalence study in hospitals and nursing homes. International Journal of Nursing Studies 56: 37–44. https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2016.01.003
- White-Chu EF, Reddy M (2011): Dry skin in the elderly: complexities of a common problem. Clinics in Dermatology 29(1): 37–42. https://doi.org/10.1016/j.clindermatol.2010.07.005
- Augustin M, Wilsmann-Theis D, Körber A, Kerscher M, Itschert G, Dippel M, Staubach P (2019): Diagnosis and treatment of xerosis cutis – a position paper. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 17 Suppl 7: 3–33. https://doi.org/10.1111/ddg.13906



















