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Deo ohne Duftstoffe: Worauf achten bei empfindlichen Achseln?

Kurz gesagt

Ein Deo ohne Duftstoffe enthält laut Inhaltsstoffliste weder „Parfum“ noch ätherische Öle noch einzeln genannte Duftstoffe wie Linalool oder Limonene. Die Angabe „ohne Parfum“ auf der Vorderseite reicht dafür nicht, denn auch ätherische Öle sind Duftstoffe. Begriffe wie „sensitiv“ sind rechtlich nicht eigens definiert und sagen nicht, ob du ein Produkt verträgst. Neben Duft können in der Achsel auch Alkohol, Natron und die Rasur eine Rolle spielen.

Was „ohne Duftstoffe“ in der INCI bedeutet

Verbindlich ist die Inhaltsstoffliste, nicht die Vorderseite. Duft zeigt sich dort an drei Stellen:

  • „Parfum“: Riech- und Aromastoffe dürfen zusammengefasst als „Parfum“ oder „Aroma“ angegeben werden (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19). Auf Importware steht dafür oft „Fragrance“.
  • Ätherische Öle: Sie stehen mit dem lateinischen Pflanzennamen in der Liste, etwa „Citrus Bergamia Peel Oil“. Auch sie geben Duft. Mit der Verordnung von 2023 kamen einige ätherische Öle selbst auf die Liste der einzeln anzugebenden Duftstoffe, darunter Bergamott- und Lemongrassöl (Verordnung (EU) 2023/1545).
  • Einzeln genannte Duftstoffe: Namen wie Linalool, Limonene, Citral oder Geraniol am Ende der Liste. Sie müssen genannt werden, sobald ihr Gehalt 0,001 % in Produkten übersteigt, die auf der Haut bleiben. Ein Deo gehört dazu. Für Produkte zum Abspülen liegt die Schwelle bei 0,01 %.

Bis 2023 galt diese Pflicht für 24 Duftstoffe. Die Verordnung (EU) 2023/1545 hat die Liste deutlich erweitert. Produkte nach altem Stand durften noch bis zum 31. Juli 2026 neu in Verkehr gebracht werden und dürfen bis zum 31. Juli 2028 verkauft werden (Verordnung (EU) 2023/1545). Im Regal stehen deshalb vorerst beide Kennzeichnungen nebeneinander. Die Hintergründe erklärt die Seite Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene.

„Ohne Parfum“, „sensitiv“, „hypoallergen“: was die Begriffe aussagen

Alles, was vorn auf der Packung steht, ist eine Werbeaussage. Dafür gelten gemeinsame EU-Kriterien: Eine Aussage muss wahr, belegbar und redlich sein (Verordnung (EU) Nr. 655/2013). Wie das bei einzelnen Begriffen auszulegen ist, beschreibt ein Technisches Dokument einer von der EU-Kommission geleiteten Arbeitsgruppe aus Mitgliedstaaten und Verbänden. Es ist eine Leitlinie und nicht rechtsverbindlich; im Einzelfall entscheiden Behörden und Gerichte (Technical document on cosmetic claims 2017).

Angabe Was dazu geregelt ist Was sie dir sagt
„Parfum“ in der INCI Pflichtangabe nach der Kosmetikverordnung Dem Produkt wurden Riechstoffe zugesetzt.
„ohne Parfum“, „ohne Duftstoffe“ Laut Technischem Dokument nicht zu verwenden, wenn ein Bestandteil im Produkt eine parfümierende Funktion hat, auch wenn er noch andere Aufgaben erfüllt. Was fehlt. Über die Verträglichkeit sagt die Angabe nichts.
„frei von Allergenen“ Laut Technischem Dokument nicht zulässig, weil sich das völlige Fehlen eines Risikos nicht zusichern lässt. Solltest du auf Kosmetik nicht finden.
„hypoallergen“ Laut Technischem Dokument nur, wenn das Produkt darauf ausgelegt ist, sein allergenes Potenzial gering zu halten, bekannte Allergene vermeidet und der Hersteller das belegen kann. Keine Garantie: Das Dokument hält ausdrücklich fest, dass eine Reaktion nicht ausgeschlossen ist.
„sensitiv“, „für empfindliche Haut“ Keine eigene Definition. Das Technische Dokument enthält dazu keine besondere Leitlinie; es gelten die allgemeinen Kriterien. Eine Aussage des Herstellers. Was gemeint ist, zeigt erst die INCI.

Was die Achsel besonders macht

Die Haut in der Achsel ist feucht, von der Luft abgeschlossen und leicht reizbar (SCCS 2012). Dazu kommt die Haarentfernung: Rasieren und Zupfen schädigen die Haut und führen kurzfristig zu Rötung und Trockenheit (Evans et al. 2012). Was an anderer Stelle unauffällig bleibt, kann in der Achsel deshalb eher auffallen.

Duftstoffe sind nur ein möglicher Auslöser. Weitere, die du in der INCI oder im Alltag findest:

  • Alkohol: In der INCI „Alcohol“ oder „Alcohol Denat.“. Er dient als Lösungsmittel, vor allem in Sprays und Rollern, und kann auf frisch rasierter Haut brennen.
  • Natron: „Sodium Bicarbonate“ ist leicht basisch, die Hautoberfläche leicht sauer. Manche Haut reagiert darauf mit Rötung oder Brennen. Mehr dazu unter Natron im Deo.
  • Rasur: Auf frisch rasierter Haut brennt vieles. Lass Abstand zwischen Rasur und Deo, siehe Deo nach der Rasur: Warum brennt es, und was hilft?
  • Menge, Reibung, Feuchtigkeit: Viel Produkt, enge Kleidung und eine lange feuchte Achsel belasten die Haut zusätzlich. Dünn auf trockene Haut auftragen, siehe Deocreme richtig auftragen: wie viel, wann, wie oft?

So liest du ein Deo-Etikett

  1. Vorderseite einordnen: „Deo“, „sensitiv“ oder „0 % Aluminium“ sind Werbeaussagen. Zum Unterschied der Produktarten: Deo oder Antitranspirant: Was ist der Unterschied?
  2. INCI suchen: Sie steht auf der Verpackung unter „Ingredients“. Wie sie aufgebaut ist, erklärt die Seite INCI-Liste lesen.
  3. Nach „Parfum“ suchen: auch nach „Fragrance“ und „Aroma“.
  4. Nach ätherischen Ölen suchen: lateinischer Pflanzenname und „Oil“, zum Beispiel „Lavandula Angustifolia Oil“. Fette Öle wie „Helianthus Annuus Seed Oil“ (Sonnenblume) sind keine Duftstoffe.
  5. Das Ende der Liste lesen: Stehen dort Limonene, Linalool, Citral, Geraniol oder Citronellol, enthält das Produkt Duftstoffe.
  6. Weitere Stoffe prüfen: „Alcohol“ oder „Alcohol Denat.“, „Sodium Bicarbonate“ und Aluminiumsalze, die mit „Aluminum“ beginnen. „Cetearyl Alcohol“ ist ein Fettalkohol und nicht mit Trinkalkohol gleichzusetzen.
  7. Eigene Liste abgleichen: Wenn du weißt, worauf du reagierst, vergleichst du Stoff für Stoff.

Ein Beispiel: Die INCI der Deocreme Sensitiv nennt Kartoffelstärke, Sheabutter, Natron, Sonnenblumenöl, Maisstärke und Candelillawachs. Darin steht kein Parfum, kein ätherisches Öl, kein einzeln genannter Duftstoff und kein Alkohol, wohl aber Natron. Denk auch an das, was du vor dem Deo benutzt: Eine Seife wie die Feste Seife – Lavendel enthält ätherische Öle, wird aber abgespült.

Wenn die Achsel reagiert

  • Pausieren: Setz das Produkt ab, bis die Haut wieder unauffällig ist.
  • Nur eine Sache ändern: Wechselst du Deo, Rasierer und Duschgel zugleich, weißt du nicht, woran es lag.
  • Klein anfangen: Trag ein neues Produkt einige Tage nur unter einer Achsel auf.
  • Nicht auf rasierte oder verletzte Haut: Rasier am Abend und trag das Deo am nächsten Morgen auf.

Wann ärztlichen Rat holen?

Hol ärztlichen Rat, wenn eine Rötung nach dem Absetzen nicht abklingt, wenn die Haut nässt, Bläschen bildet oder stark anschwillt oder wenn Reaktionen immer wiederkommen. Vermutest du eine Kontaktallergie gegen einen Duftstoff, kann eine hautärztliche Praxis das mit einem Epikutantest prüfen; danach weißt du, welche Namen du in der INCI meiden musst. Auch sehr starkes Schwitzen ohne erkennbaren Anlass oder eine plötzliche Veränderung von Schwitzen und Körpergeruch gehören ärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen

Darf ein Deo mit ätherischen Ölen „ohne Parfum“ heißen?
Nach dem Technischen Dokument zu Werbeaussagen soll „ohne Parfum“ nicht verwendet werden, wenn ein Bestandteil im Produkt eine parfümierende Funktion hat. Ätherische Öle, die für den Duft zugesetzt werden, fallen darunter. Das Dokument ist eine Leitlinie; verlass dich deshalb auf die INCI.

Ist ein Deo ohne Duftstoffe automatisch gut verträglich?
Nein. Es fehlt nur ein möglicher Auslöser. Natron, Alkohol, die Rasur oder schlicht zu viel Produkt können die Haut ebenfalls reizen.

Die Deocreme heißt „Sensitiv“. Ist das eine Zusage für empfindliche Haut?
Nein. „Sensitiv“ ist der Produktname und steht für die Rezeptur ohne zugesetzten Duft und ohne ätherische Öle. Die Creme enthält Natron, auf das manche Haut reagiert.

Meine Achsel brennt nach dem Auftragen. Liegt das am Duft?
Möglich, aber nicht sicher. Auch frisch rasierte Haut, Natron oder Alkohol kommen infrage. Pausiere, bis die Haut unauffällig ist, und ändere dann nur eine Sache.

Riecht ein Deo ohne Duftstoffe nach nichts?
Nicht unbedingt. Rohstoffe wie Sheabutter haben einen leichten Eigengeruch. Das ist kein zugesetzter Duft und steht deshalb nicht als Duftstoff in der INCI.

Ist Alkohol im Deo ein Duftstoff?
Nein. Alkohol dient vor allem als Lösungsmittel. Er steht als „Alcohol“ oder „Alcohol Denat.“ in der INCI.

Bei forpeople

Beide Deocremes sind Deodorants in fester, wasserfreier Form. Beide enthalten laut INCI Natron, keinen Alkohol und kein Aluminiumsalz. Sie unterscheiden sich im Duft:

  • Deocreme Sensitiv, 50 g, 8,90 €: sechs Inhaltsstoffe, ohne zugesetzten Duft und ohne ätherische Öle laut INCI.
  • Deocreme - Lemon, 50 g, 8,90 €: dieselbe Grundlage, dazu ätherische Öle aus Bergamotte und Lemongrass. Die INCI nennt Limonene, Linalool, Citral, Citronellal und Geraniol. Wenn du Duftstoffe meidest, ist sie nicht die passende Wahl.
  • Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: ebenfalls ohne zugesetzten Duft und ohne ätherische Öle laut INCI.
  • Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €: ebenfalls ohne zugesetzten Duft und ohne ätherische Öle laut INCI.

Mehr dazu: Ohne Duft und ätherische Öle: Inhaltsstoffe im Überblick · Natron im Deo · Deo ohne Aluminium: Wirkung und Umstieg · Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene · Feste Kosmetik lagern: Hitze, Sommer und Winter

Aus dem Blog: Deocreme: Wie wirksam ist natürliche Deocreme wirklich?

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 und 20 sowie Anhang III. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
  2. Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission vom 26. Juli 2023 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln. ABl. L 188 vom 27.7.2023, S. 1. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1545/oj
  3. Verordnung (EU) Nr. 655/2013 der Kommission vom 10. Juli 2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln. ABl. L 190 vom 11.7.2013, S. 31. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2013/655/oj
  4. Sub-Working Group on Claims (2017): Technical document on cosmetic claims. Fassung vom 3. Juli 2017, Anhang III („Free from claims“) und Anhang IV („Hypoallergenic claim“), anzuwenden ab 1. Juli 2019. ec.europa.eu/docsroom/documents/24847
  5. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2012): Opinion on fragrance allergens in cosmetic products. SCCS/1459/11, verabschiedet am 26.–27. Juni 2012. ec.europa.eu – sccs_o_102.pdf
  6. Evans RL, Marriott RE, Harker M (2012): Axillary skin: biology and care. Int J Cosmet Sci 34(5): 389–395. https://doi.org/10.1111/j.1468-2494.2012.00729.x