Zwei Aufgaben: Geruch oder Nässe
Frischer Schweiß besteht vor allem aus Wasser, Salzen und Eiweißen und ist zunächst geruchlos. Der Geruch entsteht erst, wenn Bakterien der Hautflora Bestandteile des Schweißes abbauen. Die Achsel bietet ihnen dafür gute Bedingungen: Sie ist warm und feucht, und in jeder Achsel sitzen mehr als 25.000 Schweißdrüsen (Teerasumran et al. 2023).
- Deodorant: Es setzt am Geruch an: mit Stoffen, die das Wachstum der geruchsbildenden Bakterien bremsen, mit Duftstoffen, die den Geruch überdecken, und mit Geruchsabsorbern wie Natron (Teerasumran et al. 2023). Die Schweißmenge bleibt gleich.
- Antitranspirant: Es setzt am Schweiß an. Aluminiumsalze sorgen dafür, dass weniger Schweiß an die Hautoberfläche gelangt. Den Bakterien fehlt damit ein Teil ihrer Grundlage, deshalb entsteht auch weniger Geruch.
Viele Produkte im Handel sind beides zugleich: Sie enthalten ein Aluminiumsalz und Duft und werden als Deo-Antitranspirant angeboten (Teerasumran et al. 2023). Das Wort „Deo“ auf der Vorderseite sagt deshalb wenig; entscheidend ist die Inhaltsstoffliste. Den Wechsel beschreibt die Seite Deo ohne Aluminium: Wirkung und Umstieg.
Wie Aluminiumsalze die Schweißpore verschließen
Im Produkt liegen die Aluminiumsalze gelöst und sauer vor. Auf der Haut gelangen sie in den obersten Abschnitt des Schweißdrüsengangs. Dort treffen sie auf Schweiß, werden neutralisiert und fallen aus. Zusammen mit Eiweißen aus dem Schweiß bilden sie einen gelartigen Pfropf, der den Gang verschließt (Teerasumran et al. 2023).
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beschreibt es so: Aluminiumsalze ziehen die Ausführgänge zusammen und blockieren sie vorübergehend. Zusätzlich wirken sie auf die Bakterien, die Schweiß zersetzen. Am häufigsten wird Aluminiumchlorohydrat eingesetzt (BfR 2023).
Woran du es in der INCI erkennst
In der INCI-Liste stehen Aluminiumsalze in der amerikanischen Schreibweise „Aluminum“. Die folgenden Namen und ihre Funktionen stammen aus CosIng, der Datenbank der EU-Kommission für kosmetische Inhaltsstoffe (CosIng).
| Deodorant | Antitranspirant | Alaunkristall („Deo-Kristall“) | |
|---|---|---|---|
| Setzt an bei | Geruch | Schweißmenge, dadurch auch Geruch | Geruch; Alaun wirkt adstringierend (zusammenziehend) |
| Typische Stoffe laut INCI | zum Beispiel Sodium Bicarbonate (Natron), Zinc Ricinoleate, Triethyl Citrate, Parfum | Aluminum Chlorohydrate, Aluminum Sesquichlorohydrate, Aluminum Zirconium Tetrachlorohydrex GLY | Potassium Alum, Ammonium Alum |
| Aluminiumsalz enthalten | nein | ja | ja |
| Schweißmenge | unverändert | verringert | je nach Salz: Ammonium Alum ist in CosIng auch als schweißhemmend eingetragen, Potassium Alum als adstringierend |
Alaun ist ein Doppelsalz aus Aluminiumsulfat und Kalium- oder Ammoniumsulfat. Ein Kristall aus Alaun ist also nicht aluminiumfrei.
Stärke, etwa Solanum Tuberosum Starch (Kartoffel) oder Zea Mays Starch (Mais), ist in CosIng als absorbierend eingetragen. Sie nimmt Feuchtigkeit auf, verändert die Schweißbildung aber nicht. Ein Beispiel für ein Deodorant ohne Aluminiumsalz ist die Deocreme Sensitiv: Ihre INCI nennt Kartoffelstärke, Sheabutter, Natron, Sonnenblumenöl, Maisstärke und Candelillawachs. Was Natron dabei leistet, erklärt die Seite Natron im Deo.
Was „0 % Aluminium“ auf der Packung bedeutet
„0 % Aluminium“, „ohne Aluminiumsalze“ oder „aluminiumfrei“ sind Werbeaussagen und keine gesetzlich definierten Begriffe. Für sie gelten die allgemeinen Regeln für Kosmetik: Eine Aussage darf nichts vortäuschen (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 20). Sie muss wahr und belegbar sein und darf Bestandteile, die rechtmäßig in Kosmetik verwendet werden, nicht herabsetzen (Verordnung (EU) Nr. 655/2013).
Gemeint ist: Das Produkt enthält kein Aluminiumsalz gegen Schweiß. So prüfst du die Angabe:
- In der INCI steht kein Stoff, der mit „Aluminum“ beginnt, und kein „Alum“.
- „Ohne Aluminiumchlorohydrat“ bezieht sich nur auf diesen einen Stoff, nicht auf Alaun.
- Schweißhemmende Mittel beruhen heute auf Aluminiumsalzen (Teerasumran et al. 2023). Ein Produkt ohne sie ist in aller Regel ein Deodorant und verringert die Schweißmenge nicht.
Wie Behörden Aluminium in Antitranspirantien bewerten
Deodorants und Antitranspirantien sind in der EU kosmetische Mittel und brauchen eine Sicherheitsbewertung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009). Eine bedeutende Quelle für Aluminium sind Lebensmittel. Geprüft wurde deshalb, wie viel zusätzlich aus Antitranspirantien über die Haut in den Körper gelangt.
- BfR: 2014 war die Datenlage widersprüchlich. Nach neuen Studien am Menschen kam das Institut 2020 und erneut im Oktober 2023 zu dem Ergebnis, dass über die Haut deutlich weniger Aluminium aufgenommen wird als zuvor angenommen: in der belastbarsten Studie 0,00192 % der aufgetragenen Menge. Die Wahrscheinlichkeit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch den regelmäßigen Gebrauch von Antitranspirantien mit Aluminiumchlorohydrat ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand sehr niedrig. Für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Aluminium und Alzheimer-Demenz oder Brustkrebs sieht das BfR keine belastbare Datengrundlage (BfR 2023).
- SCCS: Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU hält Aluminiumverbindungen in Deodorants und Antitranspirantien bis zu den von ihm genannten Höchstgehalten für sicher; für Sprays gilt zusätzlich eine Bedingung zur Tröpfchengröße. Er merkt an, dass die Aufnahme aus Kosmetik und Lebensmitteln zusammen bei Menschen mit besonders hoher Aufnahme über den als sicher angesehenen Werten liegen kann (SCCS 2024).
- EU-Recht: 2026 wurden die Höchstgehalte in die Kosmetikverordnung aufgenommen: 7,73 % Aluminium in nicht aerosolhaltigen und 3,24 % in aerosolhaltigen schweißhemmenden Mitteln und Desodorierungsmitteln. Produkte, die das nicht einhalten, dürfen ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr in Verkehr gebracht und ab dem 1. Juli 2028 nicht mehr auf dem Markt bereitgestellt werden (Verordnung (EU) 2026/909). Für Aluminium-Zirconium-Verbindungen gilt schon länger: höchstens 20 %, nicht in Sprays, mit dem Hinweis „Nicht auf gereizter oder verletzter Haut anwenden“ (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang III).
Ob du ein Antitranspirant verwendest oder auf Aluminiumsalze verzichtest, bleibt eine persönliche Entscheidung.
Wann passt welches Produkt?
- Dich stört vor allem der Geruch: Ein Deodorant genügt. Du schwitzt wie gewohnt.
- Dich stören nasse Achseln oder Schweißränder: Nur ein Antitranspirant verringert die Schweißmenge.
- Du möchtest auf Aluminiumsalze verzichten: Dann kommt ein Deodorant infrage. Prüfe die INCI, auch beim Kristall.
- Du meidest Duftstoffe: Beide Produktarten gibt es mit und ohne Parfum. Mehr dazu unter Deo ohne Duftstoffe: Worauf achten bei empfindlichen Achseln?
Für beide gilt: auf saubere, trockene Haut auftragen, nicht auf frisch rasierte, siehe Deo nach der Rasur: Warum brennt es, und was hilft? Eine Deocreme wie die Deocreme - Lemon trägst du mit den Fingern auf: Deocreme richtig auftragen: wie viel, wann, wie oft? Zum Waschen vorher genügen Wasser und Seife, etwa die Feste Seife – Lavendel.
Wann ärztlichen Rat holen?
Kosmetik beeinflusst Geruch oder Schweißmenge im üblichen Rahmen, sie behandelt keine Erkrankungen. Hol ärztlichen Rat, wenn du ohne erkennbaren Anlass sehr stark schwitzt oder wenn sich Schwitzen oder Körpergeruch plötzlich deutlich verändern. Für übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) gibt es ärztliche Behandlungen. Auch eine Hautreaktion in der Achsel, die nach dem Absetzen des Produkts nicht abklingt oder immer wiederkommt, gehört in ärztliche Hände.
Häufige Fragen
Ist ein Deo-Kristall aluminiumfrei?
Nein. Der Kristall besteht aus Alaun, in der INCI „Potassium Alum“ oder „Ammonium Alum“. Beides sind Aluminiumsalze.
Auf meiner Packung steht „Deo“. Woran erkenne ich ein Antitranspirant?
An der INCI: Steht dort ein Stoff, der mit „Aluminum“ beginnt, etwa Aluminum Chlorohydrate, ist es ein Antitranspirant.
Sind Antitranspirantien mit Aluminium in der EU erlaubt?
Ja. BfR und SCCS haben sie bewertet. Seit 2026 nennt die Kosmetikverordnung Höchstgehalte für Aluminium; sie gelten ab 2027 für neu in Verkehr gebrachte Produkte.
Kann ein Deodorant auch die Schweißmenge verringern?
Nur, wenn es zusätzlich ein Aluminiumsalz enthält und damit auch ein Antitranspirant ist. Stärke in einer Deocreme nimmt Feuchtigkeit auf. Wie viel du schwitzt, ändert sie nicht.
Wie lange hält eine Deocreme im Vergleich zu einem Antitranspirant?
Das lässt sich nicht in Stunden angeben und nicht gleichsetzen. Eine Deocreme wirkt auf den Geruch und hält den Schweiß nicht zurück. Wie lange das reicht, hängt davon ab, wie stark du schwitzt, wie warm es ist und was du trägst.
Bei forpeople
forpeople führt Deodorants, keine Antitranspirantien. Beide Deocremes enthalten laut INCI kein Aluminiumsalz, keinen Alkohol und kein Wasser, aber Natron.
- Deocreme Sensitiv, 50 g, 8,90 €: ohne zugesetzten Duft und ohne ätherische Öle laut INCI.
- Deocreme - Lemon, 50 g, 8,90 €: dieselbe Grundlage, dazu ätherische Öle aus Bergamotte und Lemongrass.
- Rundum-Set für trockene Haut, 89,90 €: enthält unter anderem die Deocreme Sensitiv.
Mehr dazu: Deo ohne Aluminium: Wirkung und Umstieg · Natron im Deo · Macht Deocreme Flecken? Vermeiden und entfernen · Hygiene bei wasserfreier Kosmetik
Aus dem Blog: Deocreme: Wie wirksam ist natürliche Deocreme wirklich?
Quellen
- Teerasumran P, Velliou E, Bai S, Cai Q (2023): Deodorants and antiperspirants: New trends in their active agents and testing methods. Int J Cosmet Sci 45(4): 426–443. https://doi.org/10.1111/ics.12852
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2023): Neue Studien zu aluminiumhaltigen Antitranspirantien: Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Aluminium-Aufnahme über die Haut sind unwahrscheinlich. Stellungnahme Nr. 045/2023 vom 6. Oktober 2023 (ersetzt die Stellungnahme Nr. 030/2020 vom 20. Juli 2020). https://doi.org/10.17590/20231006-150131-0
- Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2024): Opinion on the safety of aluminium in cosmetic products – Submission IV. SCCS/1662/23, vorläufige Fassung vom 14. Dezember 2023, endgültige Fassung vom 27. März 2024. health.ec.europa.eu – sccs_o_284.pdf
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Art. 2, 10 und 20 sowie Anhang III Eintrag 50. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
- Verordnung (EU) 2026/909 der Kommission vom 27. April 2026 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Verwendung unter anderem von Aluminium in kosmetischen Mitteln. ABl. L, 2026/909, 28.4.2026. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2026/909/oj
- Verordnung (EU) Nr. 655/2013 der Kommission vom 10. Juli 2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln. ABl. L 190 vom 11.7.2013, S. 31. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2013/655/oj
- Europäische Kommission: CosIng – Datenbank für kosmetische Stoffe und Bestandteile. Einträge Aluminum Chlorohydrate, Aluminum Sesquichlorohydrate, Aluminum Zirconium Tetrachlorohydrex GLY, Potassium Alum, Ammonium Alum, Sodium Bicarbonate, Zinc Ricinoleate, Triethyl Citrate, Solanum Tuberosum Starch, Zea Mays Starch; abgerufen am 2. Oktober 2026. ec.europa.eu/growth/tools-databases/cosing



















